Nur für Papageno – especially For You

MIT WORTEN TANZEN

Im Fluss der Melancholie

Orte, wo Himmelswolken brechen,

überfallen werden all jene Wanderer,

die entwurzelt an sich selbst

überfliegend; ohne Gruß

vorbei verwischt

geflüchtet

rennen

Eingedeckt

ummanteltes grau

vernebelt entrissen

den glücklichen Zeiten

schwerelosen Lachens

unvergessenes Vergessen schleicht

schwimmt in den Blutbahnen menschlicher Organe

mitten im Fließen

aller wilden Bäche,

die ziel-bewegt allen Risiken

brodelnder Vulkane strotzen

aschbleicher

vergangener

Lieben

bewegen sich unsere Worte

im (digitalen) Netz verbundener Klagelieder

verdichten

Entfernungen schwinden

zwischen uns

Einsames, unerschrockenes Suchen

erkalteter Bilder verlassener Kinder,

die irren im Märchenwald.

Fingerspitzen; ausgestreckt windesflüsternd

geben sich hin

kosten aus

das Baden in den Wellen

unserer Traurigkeit,

die sich verbindet

in der leeren Schlafens-Kuhle; Raum neben dir und mir

Süßliches Schweigen vertrösteter Münder,

die nach verbrauchter Luft schnappen,

um sich nach verwundeter Treibjagd

über Wasser zu halten.

Verschlossenes Sehen berührt schüchtern

wortreiche Hautoberflächen

impulsives Phantasieren tiefschürfender Liebe

geborgen im weiten Meeresspiegel fließender Gegensätze

dunkles Rosa färbt tiefe Stimmen rot

Schneckenhäuser gehen einzeln fort;

verkrochene Zeit erstarrten Stillstandes

Fährten gekräuselter Scham ausgewaschen unterm Regenschauer

Nach getaner Arbeit; geleertes Lüften verhangener Horizonte –

schmiegen die Worte; tanzen

an unsere natürlichen Körper

gerettet über Kilometerweit entfernte Pfade

kurz vorm Kälteeinbruch herzentsagter Einsamkeit

erreicht mich

deine Antwort

und ich antworte

du antwortest mir,

so wie ich dir.

Melancholie im Frühlingserwachen

Melancholie im Frühlingserwachen

wohin schwimmt das Verlassen-Sein bei Ebbe?

Flecken fallen zufällig durch eine behäbige, verpatzte Bewegung ins perfekt geplante Bild, was das Untertauchen im blauen Trauerfass tunlichst meidet.

Auf der linken Seite schielender Augen sieht alles schön aus, sagst du.

Altrosa verweigert sich dem zehnten Waschgang. Verschmilzt tragend mit den Linien der Handinnenflächen.

Da kannste schrubben, wie du willst. Das wirst du nicht mehr so schnell los, to myself

Woran, um Himmelswillen, bemerkt man(n) die Verliebtheit eines Regenwurms? Fährtenlesen for Dummies leichtgemacht. Der Frühling schreibt dieses Jahr Narben in die auftauende Wintererde.

Gefall‘ ich mir mit Honig auf Zunge?, denke ich, dass du denkst.

Es zählt sich schwer die Artenvielzahl von (Eintags)Fliegen, wenn der Mond an der Kette des Selbstüberwachungsmodus abgehalten wird, den Taschenrechner beiseite zu legen.

Du willst es? Du kriegst es!, beschwören naive Freunde.

Spiel‘ mir dein Herz; lila-violette Stiefmütterchen strecken ihre Tentakeln gen das Sonnenlicht, bis die Nacht sich auf ihren Blättern schlafen legt. Wohlgenährt klopft die Mutterliebe mit dem Löffel an den noch geschlossenen Babymund.

falling free during the daylight; i missed the skytrain last night, ruft der Steinkauz in die Welt.

Die Zeitfalte menschlicher Fehlbarkeiten versteckt sich in den Flusen der übersehenen Sockenrückstände. Das kecke Klingelmännchen lutscht an der gefrorenen Wassermelone. Eigentlich lieber ohne Kerne; toxische Widerstände verklären den Dackelblick.

Was ist das Gegenstück zum Nebel, grübelt es hinter den verfetteten Brillengläsern.

Rohe Eier gestapelt auf den tristen Schatten der Kreidefelsen, die einst in der Farbpalette von Casper David Friedrich wohnten. Grelle gelbe Tupfen brechen aus der gebrochenen Schale; ungebremster Tanz, um das Wollen vom Rest der Welt zu trennen. Sie bleibt still; das schlaflose Ringen um das Erwachen im Morgen hinter den abgestürzten Dünen. Der Schaum der See spricht Bände, auf deren Buchdeckeln sich die Buchstaben vom Lebenserhalt gegenseitig um den eigenen Raum bedrängen.

Kill the pain: Vielleicht wächst dann was?, schallt es aus der fernen Wüste verdrängter Alpträume.

Capitel letters

the world

a wonderful place

Erwartung enttäuscht hölzerne Glücksbrocken

gestrandet ///

Hund

markiert

jeden Grashalm im Wind

sickness

tender

unfertiges Modellbaumhaus

schwarzer Strand unterm wachsamen Neonlicht

verrät die geschichteten Jahre im Moor

Serienende

storyboard

never Ends ///

 

Randnotiz

Sehn-Sucht

 

tote Knochen gebunden im lebenden Körper

nagen am Zahn der Zeit

verdrehte Uhren springen lose

vom abplatzten Ziffernblatt

 

sehnen nach suchtgefährdetem Trunk

verfärbter schwarzer Wellen

betrunken vom Sonnenuntergang

 

Wellblech klopft bescheiden

an die Tür hinter der Sackgasse

fieser feiner Sand setzt sich fest

zwischen den Fußzehen

reist mit durch die taghell ausgeleuchtete  Nacht

 

Mondsichel webt das Wolkenkleid

golden – rot

unerträglich Sehnsucht

zwischen Schein und Sein

lichtes Gestalten im Schatten der Sternengebilde

 

Hochdruck baut

zwischen den Säulen der maroden Seebrücke

Luftschlösser, die mit dem ersten Spatenstich

im durch Ebbe geplagten Untergrund versinken.

 

Sehnsucht kleidet

blindlings Wellen vom Herz zum Meer

und zurück.

 

Offene Wasseradern als Rückläufer

vergessener Fluten

schreiben verschwommene Liebeslinien

zwischen dem reibungsriskanten  Sehnen nach dir und 

der traumgefärbten Sucht

 

müdes Lächeln erschlafft im Spiegel

graue Tage kündigen an / erfrorenes Zittern /

kalter Haut

erwacht.

Aus

Sehnsucht.

 

wörtliche Kritzelei

Eine Vorgeschichte einer Geschichte, die sich vielleicht nie schreiben wird:

Ein kleines Schaf, was auf dem plüschigen Kopf ein gewaltiges Stiergeweih mit sich trägt und sich hin und wieder gern die Haare kunterbunt färbt. Dazu gesellen sich: ein Angsthase, der um den dünnen Hals eine Federboa bindet, eine Antilope, die auf den Beinen eines Rennhundes durchs Leben trabt, ein Chamäleon, was sich von Zeit zu Zeit in ein weiß-helles Meditationszimmer zurückzieht – eine Magierin, die sich einen Phönix als Haustier zähmt und ein dunkler dickhäutiger zweiköpfiger Drache, der Vereisungsspray speit statt Feuer –

alle tanzen gern in ganz eigener Art immer wieder aus der Reihe.

Die Wesen leben in dem Land, was ganz tief unter all den Verkrustungen verborgen liegt. Kaum sichtbar, kaum fühlbar. Das Treiben ist nicht hörbar für die Anderen. Geschweige denn dass sich ein Fremder in jenes Land verirren kann. Der Weg dorthin ist ein verworrenes Dickicht, was sich jeden Tag neu erfindet. Für all die Wesen, die im Land unter den gebirgsartigen Verkrustungen ihr Unwesen treiben, existieren keine anderen Länder. Eine beglückende Unwissenheit; selbst die Existenz tief schlafender Wesen innerhalb der Verkrustungen ist ihnen unbekannt. Noch ahnen sie, dass die gebirgsartigen Versteinerung von Menschen geschaffen worden sind. Stattdessen wird fleißig eine Softeismaschine entwickelt, die selbständig auf eigenen Beinen stehen und wandern kann. Mehr noch, denn sie spürt sehr genau die Resonanz und Bedürftigkeit aller Wesen, um stets passend zur und punktgenau zur Stelle sein zu können, wenn ihre Dienste benötigt werden – in Windeseile. 

Nicht zu vergessen als elementar tragendes Element braucht es eine unsichtbare Wand, die sich mal zeigt und wieder abtaucht. An deren Mauersteine hängt ein piepender Apparat, der den zweiköpfigen Drachen per Klick in eine Maschine aus Eisen verwandelt. 

Während im verwunschenen Dachstübchen eine Professorin darüber grübelt, welcher ausgetüfelte Mechanismen wohl die Maschine dazu verleiten kann noch mehr Wesen in Eisen zu transformieren.  Das kleine Schaf scheitert immer wieder an diversen Fluchtversuchen und gibt trotzdem nicht auf, selbst wenn es sich ganz fürchterlich am eigenen Stiergeweih verletzt. Das Rauschen des Zauberwasserfalls beruhigt alle in der Nacht. Sein Fließen verstärkt sich, so bald eines der Wesen im Land unterhalb der Verkrustungen traurig wird. Der Wasserfall weint all die übergangenen Tränen. Auch jene Tränen aus den Augen derer, die für die Verkrustungen verantwortlich sind. Es schließen sich Kreisläufe; der Zauberwasserfall spendet durch das Weinen genügend Wasser. 

Ganz zuletzt: Ein kleines Mädchen, was in einem Baumhaus unter einem riesigen Banananblatt selbstversunken lebt. Bisher ganz leise und unbemerkt. Das Schaf wird sie entdecken und sie werden Freundschaft schließen, um gemeinsam einen Weg nach draußen zu erforschen.