Rausch & Obsession

Offenes Gewahrsein beim Fotografieren

Wie kann es gelingen? Gelingt es?

Eigentlich löste alles um die Thematik „Fotografieren“ bisher bei mir betonharten Widerstand aus. Dabei spielte es weniger eine Rolle, ob ich nun vor der Linse posiere, oder inwiefern ich es bin, die den Auslöser abdrückt. Gut, wenn es darum ging wählen zu müssen, bevorzuge ich wohl den Raum hinter der Kamera. Vor der Kamera  – mit dem Ergebnis eines Bildes, was ein anderer mit mir gemeinsam betrachtet im Gegensatz zur einsamen Morgensequenz vor dem Spiegel – hüllte mich in eine unangenehme Unbehaglichkeit, der ich gern aus dem Weg gehe.  Zudem es existieren genügend fotografische Bilder in der Welt. Weshalb zu der ohnehin kaum fassbaren Datenmasse noch weiteres Gewicht auf die Waage der Masse an Bildern legen?

Umso erstaunlicher ist, dass ich seit April durch die Gegend wandere mit einer Kamera, welche den Weg zu mir fand – eher so wie die Jungfrau zum Kinde – unerwartet. 

Mit jedem weiteren Ausflug, der begleitet war vom „Zücken der Kamera“ und dem Produzieren von neuen Bildern verstärkte sich ein inneres polarisiertes Spannungsfeld zwischen „Jagen & Sammeln“. Mittlerweile besitze ich innerhalb der sehr kurzen Zeitspanne bestimmt über 2000 geschossene Fotos – und ich fragte mich sehr ernsthaft, wo soll das hinführen, wenn sich Jagdtrieb und Sammelwut komplementär intensivieren? 

Zwischen Obsession und Rausch entstanden eine Flut an Bildern, die mich zusätzlich zu den ungewohnten inneren Prozessen vor die neue Herausforderung stellen, mich dem Löschvorgang zu widmen. 

Rundum schien ich in einer unerwarteten Komplexität schier zu ertrinken. Gedankenfetzen geisterten zunehmend unbeantwortet in meinem Kopf:

Wie verzerre ich durch die digitale Linse die Realität? Wie werden durch den Menschen hinter der Kamera Emotionen der Betrachter_innen gelenkt und gesteuert? Was sagt es über mein Gemüt, welches sich von einem Motiv nicht lösen kann und stattdessen unzählige Male den Auslöser festhält, um den perfekten Moment konservieren zu können? Wie lasse ich mich in die Vorstellung fallen, das wiederum die Bilder anderen gefallen? Wie beeinflusst das Bedürfnis, gesehen zu werden und gefallen zu wollen, die Suchbewegung nach dem Motiv? Aus welcher Perspektive bewerte ich ein Bild als „gut“ bzw. „du darfst bleiben“ oder als „schlecht“ bzw. „du musst leider gelöscht werden„? Was halte ich fest? Was lasse ich los? Wo zoome ich nah ran? Was fange ich aus der Distanz ein? In welchem Augenblick entscheide ich mich für ein Scharfstellen oder für ein Verschwimmen der Konturen? Wie kann ich Dissonanzen im Bildaufbau, Komposition und Farbenspiel halten? D.h. gelingt es die Betrachtungsebene von einer eher einfach gehaltenen Gefalllust auszublenden? Zugunsten der Erforschung des Prozesses, nämlich wie treiben das Äußere, das Außen die innere Bewertung und das Innere an? Werde ich mir meiner eigenen verinnerlichten Ästhetik gewahr? Wo schweift der Blick ab? Wo driftet der Geist im Rausch des Festhaltens und der Suche nach Unvergänglichkeit ab? Und all das Jagen & Sammeln landen verirrt im eigenen inneren Sumpf zwischen Ideal und Unzulänglichkeit und dem Spiel zwischen Vergänglichkeit & Ewigkeit?

Als wäre es nicht genug Aufregung für das Gehirn: Ertappte ich mich dabei, wie ich hilfreiche Hinweise über technische Möglichkeiten der digitalen Kamera zwar hörte und auch einforderte als Ratschläge von erfahrenen „Fotomenschen“, aber alles Gehörte sofort vergaß. Mittlerweile ist an mein Bewusstsein eine weitere konfliktreiche Achse gedrängt: Nämlich eine neue Sorge öffnete sich: mit zunehmenden technischen Informationen das intuitive Gespür zu stören bzw. in den Hintergrund zu drängen? 

Ein Umschwenken auf analoge Fotografie ist ausweglos und wird ein romantisches Klingen in den Ohren bleiben. Nachdem ich mich ganz und gar reinfallen ließ, hieß es reguliert den Fokus neu zu einzustellen. Nur wie?

Wie der Zufall es wollte, half der Austausch und das Offenlegen meiner neu nach oben geschwappten Obsession. In der Welt war ein neuer Versuch namens: sich selbst „auszutricksen“. 

Eine neue Challenge war geboren: 

Ich darf pro Ausflug maximal 10 Fotos schießen? 

Selbstverständlich scheitere ich an mir. Erkenne weitere neue Züge, um das eigene gesteckte Ziel zu umgehen und mich dem Rausch hingeben zu können: Ein Foto mit dem Handy zählt natürlich nicht als Foto, oder? Und plötzlich mit dem Ziel, maximal mit zehn Fotos zuhause anzukommen, gelingt plötzlich das Löschen sogar ganz unmittelbar zwischen Feld & Wiesen ganz leicht. 

Alles fühlt sich an, als wäre ein Fenster im Inneren aufgestoßen worden, was zwischen weichere Regulation und spielerischen Grenzen verbindet. Die Blickrichtung ändert sich: Was macht das Fotografieren mit mir? 

Zwischen dem Jagen und Sammeln existiert ein weiterer Raum, der beide Pole verbindet und nicht trennt – das sich Gewahrwerden und Gewahrsein – ein Erinnern an Achtsamkeit und Meditation. 

Sich selbst vom Motiv und dem Wohlgefallen der Betrachter_innen lösen:

„Wir beginnen zu blühen. Manchmal erleben wir dieses Gefühl des Blühens ganz spontan: beim Anblick eines Sonnenuntergangs oder der Kraniche, die über den Himmel ziehen, in der Gegenwart eines neugeborenen Kindes oder eines jungen Hundes. (…) Wir sind präsent in dem Moment, so wie er ist. Es ist ein Ankommen. Ein tiefes Gefühl von Erfüllung, das unabhängig von äußeren Gegebenheiten existiert. Wir spüren:

Wie es ist, ist es.

Wie es ist, ist es genug.

Wie es ist, ist es vollkommen.“

aus: „Die Wellen des Lebens reiten. Mit Achtsamkeit zu innerer Balance“ Linda Lehrhaupt, S.38 Kösel-Verlag

Beim heutigen Spaziergang gab es die Begrenzung von sechs Fotos (mit kleinen Löschtricks habe ich bestanden. Es wird entspannter.).  Ich bedanke mich von Herzen bei Cuoredelleone, dass das Fotografieren einen Weg durch die anfänglich skeptische „Betonmauer“ zu mir fand.

wörtliche Kritzelei

rosegarden

Personalmangel

Geist klebt am Schlaf

Zwischen dem Raum von Leben und Tod

Missklänge harmonisieren das Gleichgewicht in Schräglage

purpurrot

Kastanie

stumpfes grün

abgestandener naturtrüber Apfelsaft

Rastlosigkeit

Nabelschnur

Schutz

Diamanten

Plastik

genügsam

ranziges Fett

künstliche Rolle scheinbarer Liebesangelegenheiten,

die an der Kante

an der Oberfläche

der eigenen Hautschicht

abprallt.

Lichtstrahlen

prahlen unscheinbar

Wachs

in

Formsprache

pumpendes Herz schläft im Rhythmus der Wellen

Schreib‘ ein Wort!

Automatisierte Lebendigkeit

Autokorrektur

Konstante

Elan

Zaubertrank

Schnürsenkel

zugeknöpftes Fühlen

auf dem Treppchen höher steigen, sobald das Herz ein Organ als Objekt begehrt.

Ich bin durch Dich

Das Ich objektiviert das Du

in Relation zum Weltgeschehen

Wir bleiben stumm

Rosengarten im Urwald der Nacht

wörtliche Kritzelei

Leave behind // Wolkenwandler

i don‘t care anymore

step behind

step past

step inside without fearing yourself

and

i don‘t care anymore

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

die vorgefertigten, zugeschnittenen Folien vor deinen Pupillen

drängen nicht mich in Enge,

die dröhnt aus vergilbten Zeiten vergessener Unsichtbarkeit.

***

seelische Realität wächst, gedeiht im Raum

zwischen Ich und Du

lasse nichts platzen auf deinem fragilem Selbst

dancing on my own

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

eine trügerische Putzaktion unter ausgefallenem Licht

scheint es glatt richtig

verloren zu gehen

zwischen

plus und minus

kalt und warm

fest und flüssig

***

in der Symmetrie lebt ES sich asymmetrisch

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

entblättere meinen Körper

entzerre//öffne//stimme ein// bewege // kreisförmig

bemerke lustvoll die Pause zwischen

Anfang und Ende

ein Atem

atmet aus

all die aufgesetzten Spiegelschichten

atmet ein

grounded growth

grounded fields

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

es wandert längst mit mir

Hand in Hand

auf den schmalen Pfaden zwischen

Wolken und Horizont

***

lange Weile

öffnet Verschlossenheit

es kümmert mich nicht

dein Blick auf mich

es wandelt längst mit mir

in transzendierten Zeiten

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

beackern Körperflächen bis auf den Grund

geschwungener, resonanzgeräumiger gerippe

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

einzig//artig//selbst//wert//schöpfend//

augen//innen//und//außen

dein blick fängt mich nicht

drängt nicht mich hinter die Gitter

deiner augenblicklichen Sehhilfe

***

I don‘t care anymore

falling free

and

holding me

by myself

dancing on my own

dancing on my own

losing my love

in the song of

my holy uterus

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

längst übertönt

schwingt//pulsiert//überstimmt

holy uterus

– hör auf zu füttern

gefräßige magenräume

mit durchlässigen wänden –

kümmere dich nicht

***

falling free

and

holding yourself

losing your greatful love

while you dancing with all your own shadows

under your lighting

singing

holy uterus

***

kümmere dich nicht

um mich –

falling free

by your own.

Leave yourself behind

***

– being in life –

– being in love –

***

I don‘t care anymore

Leave you behind

without fearing

falling free.

***

– being in life –

– being in love –

Elfchen – eins – zwei – drei –

eins

Friedvolle

Weiblichkeit atmet

grau verhangenen Himmel

besänftigt durch schnarchendes Vogelgezwitscher

kastanienbraun.

zwei

Berauscht

schwebt die

Qualle auf Sturmhöhe

gleichmütig vertraut eine Familie

sein.

drei (ups doch kein Elfchen)

Stiller Winkel

Worthülsen den Straßen nach

im Abstand zwischen Ost und West

liegen erschöpft Kriege wach.

Nur für Papageno – especially For You

MIT WORTEN TANZEN

Im Fluss der Melancholie

Orte, wo Himmelswolken brechen,

überfallen werden all jene Wanderer,

die entwurzelt an sich selbst

überfliegend; ohne Gruß

vorbei verwischt

geflüchtet

rennen

Eingedeckt

ummanteltes grau

vernebelt entrissen

den glücklichen Zeiten

schwerelosen Lachens

unvergessenes Vergessen schleicht

schwimmt in den Blutbahnen menschlicher Organe

mitten im Fließen

aller wilden Bäche,

die ziel-bewegt allen Risiken

brodelnder Vulkane strotzen

aschbleicher

vergangener

Lieben

bewegen sich unsere Worte

im (digitalen) Netz verbundener Klagelieder

verdichten

Entfernungen schwinden

zwischen uns

Einsames, unerschrockenes Suchen

erkalteter Bilder verlassener Kinder,

die irren im Märchenwald.

Fingerspitzen; ausgestreckt windesflüsternd

geben sich hin

kosten aus

das Baden in den Wellen

unserer Traurigkeit,

die sich verbindet

in der leeren Schlafens-Kuhle; Raum neben dir und mir

Süßliches Schweigen vertrösteter Münder,

die nach verbrauchter Luft schnappen,

um sich nach verwundeter Treibjagd

über Wasser zu halten.

Verschlossenes Sehen berührt schüchtern

wortreiche Hautoberflächen

impulsives Phantasieren tiefschürfender Liebe

geborgen im weiten Meeresspiegel fließender Gegensätze

dunkles Rosa färbt tiefe Stimmen rot

Schneckenhäuser gehen einzeln fort;

verkrochene Zeit erstarrten Stillstandes

Fährten gekräuselter Scham ausgewaschen unterm Regenschauer

Nach getaner Arbeit; geleertes Lüften verhangener Horizonte –

schmiegen die Worte; tanzen

an unsere natürlichen Körper

gerettet über Kilometerweit entfernte Pfade

kurz vorm Kälteeinbruch herzentsagter Einsamkeit

erreicht mich

deine Antwort

und ich antworte

du antwortest mir,

so wie ich dir.

Mit dem Atemzug …

… an der Haut von innen nach außen wandern

img_0092In den Tiefen der Berührung, wohin sich selten Worte verirren, weil im Dickicht verdunkelter Ungewissheiten der Verstand bereitwillig schweigt. Jene grüblerische Suche sich stattdessen sanft und müde auf den Atem ruhend bindet. Das innere Messerschärfen stellt dankbar ermattet die Arbeit ein; von innen ertastet das Einatmen die Haut unter seiner Oberfläche – von außen bleibt beständig der Raum, welcher durch die Erde getragen uns verbindet. Im feucht-luftigen Windstoß sammelt sich auf dem Weg nach außen manchmal maskiertes, flüssiges Blei, was die Kehle im Fluss verbrennt – schweres Herz nimmt Aggression als Teil des Werden und Gehens im Ausatmen an; für den Frieden im Innen (und Außen) braucht es Geduld und einen unaufhörlich langen Atem von Generation zu Generation verwurzelt in einer Entwurzelung;

und immer mal wieder; sich dem Scheitern und Versagen liebevoll in die Arme werfen. Plötzlich ergeben sich klare Worte aus dem Raum, den der Verstand aus Feigheit umschifft.

Atem

Wir leben

von Atem zu Atem

In allen Pflanzen und Tieren

schlägt sein Luftherz

Wir

an sein Dasein gebunden

gehen ein mit ihm

in den Atem der Erde

– Rose Ausländer

achtsames Experiment, teil drei – körperliche Energien versus Optimierungsfalle

…oder wenn (Termin)Erinnerungen zum Stressfaktor mutieren.

img_0567An manchen Tagen gelingt das Experiment mit der Achtsamkeit nicht. Es äußert sich dann als Last; ein weiterer Termin in einer Zeit, die viele Aufgaben und Anforderungen den Atem stocken lässt. Im Inneren der Blick in die Zukunft gerichtet; anhaftend an Vorstellungen, wie könnte es sein. Im Grunde vielleicht sogar eine Form von Ermahnungen und ein -sich-selbst-Mut-zusprechen-; also eine innere imaginäre Wunschaussicht aus dem Fenster in die Zukunft, wofür es sich im Hier und Jetzt lohnt, so viele Bürden auf sich zu nehmen. Fast paradiesisch mutet die innere Aussicht auf zukünftige Erlösung an; nur wiederum ein innerer Quälgeist  stänkert und fordert ein, lässt Rufe nach mehrjährigen Garantien immer lauter im Denkkarussell kreisen. Vor lauter Schwindel beruhigt sich in der Meditation nicht mal der Atem, welcher unaufhörlich fließt. Es scheint, als atmet es sich nicht. Ausharren, Kribbeln  und Krämpfe an Körperstellen, das Gehirn drückt gegen die Schädeldecke, die Stirn platzt vor Verkrampfung und ein unruhiger Geist weigert sich von imaginären anhafteten Vorstellungen loszulassen. Glück lässt sich nicht verlängern. Je stärker das Streben, die Zeit festhalten zu wollen, um so schneller treibt alles unbemerkt davon. Wandel als innere Haltung anzunehmen, bedeutet wohl auch wohlwollend anzunehmen, das Glück und Zufriedenheit sich verflüchtigen, so bald du ES festhalten willst. Sich selbst GEHEN lassen, gelingt vielleicht irgendwann durch das stetige Wiederholen von Wandel. Und dazu dürfen die Tage, an denen alles zu einer klebrigen Massen verschmelzt, nicht fehlen. Erst das Erspüren von unterschiedlichen Bewusstseinszuständen, macht ES lebendig. Mir drängen sich die nächste Frage auf, die Raum und Zeit brauchen, um auf der Zunge zu zergehen: Wie erspüre ich die Unterschiedlichkeit der Räume von Zweckfreiheit und Sinn? Wie kann zweckfreier Sinn sich äußern? Und geht das überhaupt; zweckfreier Lebenssinn? KOMMEN und GEHEN schließen sich als eins im Kreis?

ein achtsames Experiment – teil zwei

Von einer Leichtigkeit im zusätzlichen Leiden sich selbst zu täuschen

innere Monster_zeigen im außen zähne

Montags wiederholte sich stündlich die Erinnerung, welche digital auf dem Tablett wöchentlich terminiert aufheult, es sei der Zeitpunkt für eine Mediation gekommen. Bis vorm Schlafengehen ignorierte ich es, um dann liegend mich am Ende des Tages einzulassen. Auftrag erfüllt. Abgehakt. Allerdings schimmert immer wieder eine Erkenntnis auf: Wie es den inneren Teilen immer wieder gelingt, sich zusätzlich Leid zu zufügen, statt sich selbst wahr- und anzunehmen und das Innehalten zu befragen, was es für alternative Reaktionsmöglichkeiten bereit hält. Der Augenblick, wo ich begriff, dass ich mir mit dem Rauchen das innerlich erlebte Chaos verstärkte und verdoppelte – und meinen Körper mit jedem Atemzug an der Zigarette quäle und die Signale, welche vom Körper gesendet werden, ignorant übergehe,  – der Moment, wo ich ganzheitlich verstand, dass ich selbst meiner eigenen Täuschungen erliege – war der Tag, an dem ich das letzte Mal rauchte. Es brauchte ein destruktives Verhalten als Auslöser. Damit ein beobachtender innerer Teil einerseits Verständnis und Mitgefühl zeigen konnte. Andererseits war es eine Chance, dass sich eine Verbindung zwischen Wissen, Fühlen und Handeln anbahnen konnte. Ähnlich komplex und anstrengend fühlt sich das Einüben einer Achtsamkeitspraxis an. Paradoxerweise klingt es ausgesprochen ganz leicht und banal. Trotzdem wütet jener innere Teil, der gern einen Leidenszustand verlängert und verstärkt – der bei erlebten Schmerzen, sich verzückt extra eine anzündet – und im Wagnis der meditativen Haltung tauchen alle  Teile in unterschiedlicher Intensität wieder auf und unter.

Bezogen auf das Thema Leiden, Gewalt und Ungerechtigkeit bleiben uns bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Wind der Veränderung aus der Gesellschaft weht und sich neue politische und soziale Strukturen herausbilden, nur zwei Alternativen. Wir können an der Stumpfheit und Dummheit der Menschen verzweifeln oder uns bemühen, Gier, Hasse und Verblendung in uns selbst zu erkennen und zu verringern. (…) Wenn wir wollen, dass es weniger Gier, Hass und Verblendung in unserer Gesellschaft gibt, müssen wir diese Haltungen in uns selbst erkennen, verstehen und abbauen, und das ist nicht leicht. (aus: „Achtsamkeit und Mitgefühl. Mut zur Muße statt Hektik und Burnout“ S.60, Silvia Wetzel: http://www.sylvia-wetzel.de )

ein achtsames Experiment – teil eins

das wiederholen der achtsamkeitspraxis

Künftig gibt es zwei feste Termine in der Woche. Montags und freitags wiederholen sich die Erinnerungen, auf dem Meditationskissen in Sitzhaltung anzukommen. Ein Augenblick der Einübung einer Haltung. Nach der Rückkehr mit der Aufmerksamkeit in den umgebenden Raum kündigt sich ein schriftliches  Festhalten der Veränderung jener Erfahrungen an. So  wäre der erste Tag dieses Experiments wäre beinahe vergangen, ohne eine Sitzhaltung für die Mitgefühlsmeditation mit einem Quälgeist als imaginäres Gegenüber einzunehmen. Denn interessanterweise ein innere Teil, welcher sich scheut im Ein- und Ausatmen anzukommen, zögerte es hinaus – bis kurz vor Mitternacht. Eine weitere neue Erfahrung: Ich lauschte meiner eigenen Stimme nicht nur innerlich, sondern direkt und klar über die Lautsprecher des Laptops. Vor dem Einschlafen kann ich einen Haken hinter den ersten Termin setzen. Ich bin gespannt, was sich in den nächsten Wochen zeigen wird.

http://wiki.yoga-vidya.de/Achtsamkeitsmeditation