Ohrenrauschen

Geschlossene Gesellschaft

Daumen drückt überrascht Mutetaste

auf der Fähre

zwischen dir und mir

legt sich getragenes Licht

auf unsere Nachthelligkeit

Mit der Wolkendecke

ungelebter Sehnsüchte

erinnert –

überschlagen sich Bilder in meinem Kopf

aus Phantasterei projektiver Filme,

die unvollendet ein Heraustreten auf eine fassbare Leinwand

tunlichst meiden, um schneller zu sein, als alle Schreckgespenster,

die auf der Jagd nach Wertsachen, außerhalb genormter Tempolimits eiliger

als alle Teufelsbanden zusammen unter Vollgas mich überholen wollen.

Im Schatten bodenloser Träumerei

fährst du seit Monaten neben mir im Auto Kreise

zwischen Ungewissheit gibst Du neues Zuhause

verbunden in Seelenruhe

taucht dein Schweigen in meine Tiefe

verborgen balancieren meine Füße auf den Platten(bauten)

drohender Erdbeben aus behaglicher Stille

lösen sich weiße Steine alter Weisen

und platzen in das Zentrum vertrauter Routine

Zerrissen zerreißt es Gewissheiten mit dir

Hand in Hand

blättert in versteckten Fotoalben vergessener Illusionen

reise rückwärts in die Zeiten erster Verliebtheiten

schlage hart zu den verrutschten Buchband, der entstaubt

offenbart, was ich war.

Grenzen überschritten, um getrieben vom Windhauch

fliegen zu lernen,

während an den Fußsohlen verzweigte Wurzeln wachsen,

Grenzen aufgelöst, um auf den Flügeln kommunistischer Friedenstauben

frei Sein zu lernen,

während leise – hinterm Rücken misstrauischer Augen –

sich Freund und Feind versöhnen.

In einem verlassenen Pappkarton thronen Barbie und Ken,

und zwischen Kinderspielen rutscht Peter Pan

in den Nebel aus Erinnerung

die Ruhe nach dem Sturm

schreibt Spuren in die Wolkenschicht:

im Werden zwischen 20 und 30 verloren abgedriftet

drunken and lost

am Seil vom Rettungsanker wehte immer nur eine Fahne

gestickt aufgeschrieben:

lauf dem Leben von Simone de Beauvoir & Satre entgegen

und nie in die Zugrichtung

von Barbie & Ken.

gewagt und abgetrieben

im Meer von Chaos

bleiben oder gehen

mehr gewollt ~ mehr geliebt

gehen UND bleiben

Mit deinen Liedern im Ohr

Türme bestiegen

und im Sturzflug hinter den verschlossenen Augen

Konturen von morgen ausgemalt,

die beim Eintreten in Realitäten

auf den Boden ehrlicher Tatsachen

abprallen ~ aufgepralltes Herz

entpuppt sich unter entschlossener Lupe als Schmetterling

Die ruhelose Nacht zählt Schafe, auch die Schwarzen ~

meine Sammelwut lässt sich kaum abbremsen

im Strudel ungeschriebener Seiten

tönt meine unbeherrschte Gier, die mich in die Dunkelheit drängt,

um den Mond einzufangen, den ich dir im Zuge eigener Schranken

ohne Brieftauben nicht zeigen kann.

Beim Aufstehen der Sonne

höre ich deine Schritte im Sand,

die nach Landung der Regentropfen

in mein Bauchgefühl einziehen.

Rasend infiziert von Besessenheit

(I am a foul of love)

verschwimmen die Schnappschüsse zwischen Fensterscheibe und mir

Herz packt Laufschuhe ein und rennt

rennt

außer Atem

ein

und

aus

atmen

vogelfrei

pisst

der freche Spatz

auf den Frostbrand deiner Coolness

Ich

steuert

die Überflutung

in meinem Schneckentempo

während sich das Haus auf dem Rücken

federleicht im sommerlichten Baumschatten in den Schlaf singen lässt.

Unendliche Geschichten

enden im Mondlicht

heulender Wölfe

Erinnerung

wie Treibholz,

was nie untergeht

~ selbst bei Atemnot ~

steigt der Kopf auf,

das Herz im Schlepptau,

was den Kopf zu sich zieht.

Im Mondlicht tanzt meine ertrunkene Liebe für dich;

das mondsüchtige Licht spiegelt sich flüsternd auf dem Meer,

im Windschatten deines Rückens webte ich vergebens am Netz

aus Strickmaschen zwischen Heimat und Nach-hause-kommen

Entferntes Meer

trennt unsere Geschichten

in untergründiger Verbundenheit

überspringst du mein (Herz)Klopfen

Geschlossene Gesellschaft.

Ich

fährt

über

die

ungelebten

Spuren

liebe

bleibt

ungeliebt

es

geht.

Weiter!

Das

Meer

bietet

(ausgeschlagen)

Leben.

~ Überlesen ~

Ich

geht

weiter

Ich

bewahrt

den

Sand

in

den

Schuhen

auf.

Fortsetzung ~ es setzt sich fort

Wanderfliege auf Tatami

Wanderfliege auf dem Tatami

brennender Sommer

reizt

staubig

zerberstend

unsere lachenden Münder in den Abgrund der vergehenden Minuten

unserer Zeit, die im Rausch zwischen Nebel und Bachfluss zerrinnt

derweil

eine Stubenfliege

wandert

Wabe

um

Wabe

– trittfest

die gefädelten Insektenbeine

lancieren

gekonnt

auf

der

lebenserfahrenen

Strohmatte

eine kilometerschwere Schnur

wetterfest

wetterbeweglich

das gefächerte Seil

innewohnend

inniglebend

verdrehte Schlange

spirallenförmiges Auf und Ab

innerer Wendungen

verlaufende Richtungen, die sich auflösen im Wechsellicht von Mond und Sonne

Irrgärten ~

entpuppte Schlangenhäute an den Rändern aus Zunge und Schlusspunkt

stumm

wandert

gewöhnliche

Fliege

in

üblicher

Gangart

über

den

heiligen

Boden

für

jedermann

geeignet

auf

~

ab

Fragment

Spiel der Masken

Die Nacht bricht

ihre Scherben in

winzige Mosaikstücke

es sammelt sich im Trauerfluss

spitzfindig Reibung am unterem Ende

des Tages –

all das Lachen ausradiert

bleich schraubt sich der Magen

um die Leere

Krämpfe entziehen dem getigertem Kater

die letzten Tropfen Lebensenergie

Stilles Leeren bricht

über dem eingebildetem Feuer

Panzerglas in winzige Risse

zwischen uns

gibt es nichts

nichts war

nichts ist

nichts wird Sein

im Spiegel spiegelt

sich ermattet mein

Spiegelbild von mir

im Spiegel ein Spiegel ohne dich

Rausch & Obsession

Offenes Gewahrsein beim Fotografieren

Wie kann es gelingen? Gelingt es?

Eigentlich löste alles um die Thematik „Fotografieren“ bisher bei mir betonharten Widerstand aus. Dabei spielte es weniger eine Rolle, ob ich nun vor der Linse posiere, oder inwiefern ich es bin, die den Auslöser abdrückt. Gut, wenn es darum ging wählen zu müssen, bevorzuge ich wohl den Raum hinter der Kamera. Vor der Kamera  – mit dem Ergebnis eines Bildes, was ein anderer mit mir gemeinsam betrachtet im Gegensatz zur einsamen Morgensequenz vor dem Spiegel – hüllte mich in eine unangenehme Unbehaglichkeit, der ich gern aus dem Weg gehe.  Zudem es existieren genügend fotografische Bilder in der Welt. Weshalb zu der ohnehin kaum fassbaren Datenmasse noch weiteres Gewicht auf die Waage der Masse an Bildern legen?

Umso erstaunlicher ist, dass ich seit April durch die Gegend wandere mit einer Kamera, welche den Weg zu mir fand – eher so wie die Jungfrau zum Kinde – unerwartet. 

Mit jedem weiteren Ausflug, der begleitet war vom „Zücken der Kamera“ und dem Produzieren von neuen Bildern verstärkte sich ein inneres polarisiertes Spannungsfeld zwischen „Jagen & Sammeln“. Mittlerweile besitze ich innerhalb der sehr kurzen Zeitspanne bestimmt über 2000 geschossene Fotos – und ich fragte mich sehr ernsthaft, wo soll das hinführen, wenn sich Jagdtrieb und Sammelwut komplementär intensivieren? 

Zwischen Obsession und Rausch entstanden eine Flut an Bildern, die mich zusätzlich zu den ungewohnten inneren Prozessen vor die neue Herausforderung stellen, mich dem Löschvorgang zu widmen. 

Rundum schien ich in einer unerwarteten Komplexität schier zu ertrinken. Gedankenfetzen geisterten zunehmend unbeantwortet in meinem Kopf:

Wie verzerre ich durch die digitale Linse die Realität? Wie werden durch den Menschen hinter der Kamera Emotionen der Betrachter_innen gelenkt und gesteuert? Was sagt es über mein Gemüt, welches sich von einem Motiv nicht lösen kann und stattdessen unzählige Male den Auslöser festhält, um den perfekten Moment konservieren zu können? Wie lasse ich mich in die Vorstellung fallen, das wiederum die Bilder anderen gefallen? Wie beeinflusst das Bedürfnis, gesehen zu werden und gefallen zu wollen, die Suchbewegung nach dem Motiv? Aus welcher Perspektive bewerte ich ein Bild als „gut“ bzw. „du darfst bleiben“ oder als „schlecht“ bzw. „du musst leider gelöscht werden„? Was halte ich fest? Was lasse ich los? Wo zoome ich nah ran? Was fange ich aus der Distanz ein? In welchem Augenblick entscheide ich mich für ein Scharfstellen oder für ein Verschwimmen der Konturen? Wie kann ich Dissonanzen im Bildaufbau, Komposition und Farbenspiel halten? D.h. gelingt es die Betrachtungsebene von einer eher einfach gehaltenen Gefalllust auszublenden? Zugunsten der Erforschung des Prozesses, nämlich wie treiben das Äußere, das Außen die innere Bewertung und das Innere an? Werde ich mir meiner eigenen verinnerlichten Ästhetik gewahr? Wo schweift der Blick ab? Wo driftet der Geist im Rausch des Festhaltens und der Suche nach Unvergänglichkeit ab? Und all das Jagen & Sammeln landen verirrt im eigenen inneren Sumpf zwischen Ideal und Unzulänglichkeit und dem Spiel zwischen Vergänglichkeit & Ewigkeit?

Als wäre es nicht genug Aufregung für das Gehirn: Ertappte ich mich dabei, wie ich hilfreiche Hinweise über technische Möglichkeiten der digitalen Kamera zwar hörte und auch einforderte als Ratschläge von erfahrenen „Fotomenschen“, aber alles Gehörte sofort vergaß. Mittlerweile ist an mein Bewusstsein eine weitere konfliktreiche Achse gedrängt: Nämlich eine neue Sorge öffnete sich: mit zunehmenden technischen Informationen das intuitive Gespür zu stören bzw. in den Hintergrund zu drängen? 

Ein Umschwenken auf analoge Fotografie ist ausweglos und wird ein romantisches Klingen in den Ohren bleiben. Nachdem ich mich ganz und gar reinfallen ließ, hieß es reguliert den Fokus neu zu einzustellen. Nur wie?

Wie der Zufall es wollte, half der Austausch und das Offenlegen meiner neu nach oben geschwappten Obsession. In der Welt war ein neuer Versuch namens: sich selbst „auszutricksen“. 

Eine neue Challenge war geboren: 

Ich darf pro Ausflug maximal 10 Fotos schießen? 

Selbstverständlich scheitere ich an mir. Erkenne weitere neue Züge, um das eigene gesteckte Ziel zu umgehen und mich dem Rausch hingeben zu können: Ein Foto mit dem Handy zählt natürlich nicht als Foto, oder? Und plötzlich mit dem Ziel, maximal mit zehn Fotos zuhause anzukommen, gelingt plötzlich das Löschen sogar ganz unmittelbar zwischen Feld & Wiesen ganz leicht. 

Alles fühlt sich an, als wäre ein Fenster im Inneren aufgestoßen worden, was zwischen weichere Regulation und spielerischen Grenzen verbindet. Die Blickrichtung ändert sich: Was macht das Fotografieren mit mir? 

Zwischen dem Jagen und Sammeln existiert ein weiterer Raum, der beide Pole verbindet und nicht trennt – das sich Gewahrwerden und Gewahrsein – ein Erinnern an Achtsamkeit und Meditation. 

Sich selbst vom Motiv und dem Wohlgefallen der Betrachter_innen lösen:

„Wir beginnen zu blühen. Manchmal erleben wir dieses Gefühl des Blühens ganz spontan: beim Anblick eines Sonnenuntergangs oder der Kraniche, die über den Himmel ziehen, in der Gegenwart eines neugeborenen Kindes oder eines jungen Hundes. (…) Wir sind präsent in dem Moment, so wie er ist. Es ist ein Ankommen. Ein tiefes Gefühl von Erfüllung, das unabhängig von äußeren Gegebenheiten existiert. Wir spüren:

Wie es ist, ist es.

Wie es ist, ist es genug.

Wie es ist, ist es vollkommen.“

aus: „Die Wellen des Lebens reiten. Mit Achtsamkeit zu innerer Balance“ Linda Lehrhaupt, S.38 Kösel-Verlag

Beim heutigen Spaziergang gab es die Begrenzung von sechs Fotos (mit kleinen Löschtricks habe ich bestanden. Es wird entspannter.).  Ich bedanke mich von Herzen bei Cuoredelleone, dass das Fotografieren einen Weg durch die anfänglich skeptische „Betonmauer“ zu mir fand.

wörtliche Kritzelei

rosegarden

Personalmangel

Geist klebt am Schlaf

Zwischen dem Raum von Leben und Tod

Missklänge harmonisieren das Gleichgewicht in Schräglage

purpurrot

Kastanie

stumpfes grün

abgestandener naturtrüber Apfelsaft

Rastlosigkeit

Nabelschnur

Schutz

Diamanten

Plastik

genügsam

ranziges Fett

künstliche Rolle scheinbarer Liebesangelegenheiten,

die an der Kante

an der Oberfläche

der eigenen Hautschicht

abprallt.

Lichtstrahlen

prahlen unscheinbar

Wachs

in

Formsprache

pumpendes Herz schläft im Rhythmus der Wellen

Schreib‘ ein Wort!

Automatisierte Lebendigkeit

Autokorrektur

Konstante

Elan

Zaubertrank

Schnürsenkel

zugeknöpftes Fühlen

auf dem Treppchen höher steigen, sobald das Herz ein Organ als Objekt begehrt.

Ich bin durch Dich

Das Ich objektiviert das Du

in Relation zum Weltgeschehen

Wir bleiben stumm

Rosengarten im Urwald der Nacht

wörtliche Kritzelei

Leave behind // Wolkenwandler

i don‘t care anymore

step behind

step past

step inside without fearing yourself

and

i don‘t care anymore

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

die vorgefertigten, zugeschnittenen Folien vor deinen Pupillen

drängen nicht mich in Enge,

die dröhnt aus vergilbten Zeiten vergessener Unsichtbarkeit.

***

seelische Realität wächst, gedeiht im Raum

zwischen Ich und Du

lasse nichts platzen auf deinem fragilem Selbst

dancing on my own

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

eine trügerische Putzaktion unter ausgefallenem Licht

scheint es glatt richtig

verloren zu gehen

zwischen

plus und minus

kalt und warm

fest und flüssig

***

in der Symmetrie lebt ES sich asymmetrisch

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

entblättere meinen Körper

entzerre//öffne//stimme ein// bewege // kreisförmig

bemerke lustvoll die Pause zwischen

Anfang und Ende

ein Atem

atmet aus

all die aufgesetzten Spiegelschichten

atmet ein

grounded growth

grounded fields

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

es wandert längst mit mir

Hand in Hand

auf den schmalen Pfaden zwischen

Wolken und Horizont

***

lange Weile

öffnet Verschlossenheit

es kümmert mich nicht

dein Blick auf mich

es wandelt längst mit mir

in transzendierten Zeiten

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

beackern Körperflächen bis auf den Grund

geschwungener, resonanzgeräumiger gerippe

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

einzig//artig//selbst//wert//schöpfend//

augen//innen//und//außen

dein blick fängt mich nicht

drängt nicht mich hinter die Gitter

deiner augenblicklichen Sehhilfe

***

I don‘t care anymore

falling free

and

holding me

by myself

dancing on my own

dancing on my own

losing my love

in the song of

my holy uterus

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

längst übertönt

schwingt//pulsiert//überstimmt

holy uterus

– hör auf zu füttern

gefräßige magenräume

mit durchlässigen wänden –

kümmere dich nicht

***

falling free

and

holding yourself

losing your greatful love

while you dancing with all your own shadows

under your lighting

singing

holy uterus

***

kümmere dich nicht

um mich –

falling free

by your own.

Leave yourself behind

***

– being in life –

– being in love –

***

I don‘t care anymore

Leave you behind

without fearing

falling free.

***

– being in life –

– being in love –

Dosenbier am Rhein

Dienstag, 14.04.2015

Bild wird nachgeliefert – ohne Aufschlag

es ist eigenartig. Du triffst Menschen, mit denen du in der Jugend Träume geteilt hast oder zumindest in der jugendlichen Vorstellung von Rebellion und dem Grenzen-sprengen dachtest du, du würdest etwas teilen … und nun erst gestern erwähnte ich, dass ich die Idee, Menschen um die 50 (jahre) seien in der Mitte ihres Lebens angelangt, unsinnig finde.

Denn ich nehme mein Alter (bald 35) und addiere es mit derselben Zahl und nun was soll ich sagen … Mathematik irrt sich nicht .. und dies scheint mir näher an der Mitte des Lebens. Was auch immer die Mitte bedeuten mag. Und heute – gewappnet mit Dosenbier – treffe ich einen Menschen, der mir viel bedeutet hat, und ich sehe graue Haare.

Ich frage mich selbst, inwiefern ich mich verrate. Systemkritik, Kritik am gesellschaftlichen Treiben und die eigenen Zwänge, inneren (vermeintlichen) Notwendigkeiten und Kompromisse, die du zwangsläufig eingehst. Eine Rechtfertigung für solche Entscheidungen gibt es immer wieder.

Beruflich sich gegen wirtschaftliche Zweige zu entscheiden-,  verdient und erhält meist Anerkennung. Jedoch inwiefern bzw. wo beginnt der Verrat? Sitzt dir der Verrat nicht ständig im Nacken und sei es bereits im jenen Entscheidungen, die du selbst zugunsten der Nützlichkeit triffst? nützlich, um sich farben, papier und pinsel leisten zu können – nützlich, um an der basis impulse für veränderungen setzen zu können – nützlich, um nachzuholen was versäumt scheint – nützlich um auszuprobieren, zu kosten, zu testen – nützlich, weil es privilegien schafft? und du weißt, dass es ein pakt mit der nützlichkeit ist, und dieser pakt die gesellschaftskritik in sich auflöst, die so lediglich zur beruhigung des rebellen ihre funktion übernimmt …. wir menschen sind widersprüchliche wesen …

Hat der Verrat bereits zur Zeit des Abiturs begonnen? In dem Moment, wo das Schreiben und der kreative Prozess als Hobby abgewertet worden sind von der elterlichen Sorge um die zukünftige Existenz des Kindes, was in die befremdliche und bedrohliche Welt ziehen will?

Manche Wege kreuzen sich immer wieder und das ist ein großes Glück. Graue Haare wachsen sehen, das ist Glück. Ich bin berührt über die Vergänglichkeit der Zeit und voller Scham über mich selbst, die sich zu oft beschwert über Verdruss und Langeweile – anstatt den Pinsel in Farbe zu tauchen, oder die Finger über die Tastatur wandern zu lassen und darauf zu Vertrauen, dass der Verrat nie so groß sein wird, als dass ich den Blick für das Wachsen von grauen Haaren verliere.

Ich bin gespannt, wie und wann sich Wege wieder kreuzen. Ich liebe Dosenbier! Und ich trauere um den jugendlichen Eifer, den ich viel zu selten exzessiv ausgelebt habe … ich bedauere die weibliche Sozialisation, die so viel verbietet und sich nährt durch Verzicht und Bescheidenheit meist an den falschen Stellen und ich bin froh, um die Fähigkeit mich zu erinnern. Die Erinnerungen über Schamgrenzen sich empor gehoben zu haben, machen mich in der heutigen Nacht lebendig. Kein Haus, kein Auto, kein Kind, kein Ehering, keine Eigentumswohnung …. stattdessen Löcher in den Kleidern, Pinsel mit vertrockneter Farbe, zerrissene Briefe, geschriebene Worte, installierte Lebensphilosophien und gelebter Kummer wie auch Glückseligkeit für den Augenblick.

Was hat es eigentlich mit der Autonomie auf sich? Und wo genau beginnt der Verrat? Ich bin Teil des Ganzes und lebe davon, wie es von mir lebt. Alles im Fluss, wir bedingen einander und schaffen Raum für Neues, oder es wird Raum geschaffen, damit neue Samenkörner ihren Weg aus der Erde ans Licht erobern.

Ein neuer Tag beginnt! Ganz sicher … und es ist an der Zeit für heute die Augen zu schließen.

robots oder die gemeine Hausfliege

Montag, 06.04.2015

Mein Wecker war heute auf halb fünf gestellt. Die Geräusche drangen so gegen sechs Uhr ernsthaft zu mir durch. Zu spät kam ich ins Büro und meine Stimmung entsprechend noch genervter als kurz nach dem Aufstehen.

Ich würde sehr gern Frida Kahlo fragen, ob ihr je geraten worden ist, ihre Augenbrauen sich schön zurecht zu zupfen … Manchmal lasse ich mich von Verschwörungstheorien verleiten, es hätten sich diverse robots auf meinen PC & Tablett breit gemacht. Kaum schreibe ich ein paar Gedanken für den blog nieder, bekomme ich von amazon Ratgeberliteratur als Empfehlung zugesandt.

Das nervt! Ich gehöre zu den Menschen, die durchaus Buchhandlungen, Flohmärkte und Secondhand Läden aufsuchen. Außerdem bin ich in der Lage, mich selbst mit entsprechender Lektüre (die bei mir eh immer mehr wird – mir graut vor dem nächsten Umzug) zu versorgen. Bibliotheken sind mir auch nicht fremd.

Und weshalb sollte ich Bücher über das glückliche Führen einer Ehe lesen? Um auf Literaturklassiker gestoßen zu werden wie Max Frisch, Tolstoi, Mann, Tucholskys, Virginia Woolf? Was soll das denn bitteschön? Ich habe bereits im jugendlichen Alter Hermann Hesse gelesen, kannte Böll, Kafka & Co (wer auch immer zum Co gehört)

Nur weil ich Veränderungen an meinem Körper bemerke, der mir scheinbar vermitteln will, besonders jetzt in eine sehr fruchtbare Phase meines Lebens zu rauschen – heißt das nicht automatisch – ich lasse alles stehen und liegen.

Eine andere Buchempfehlung titelt mit der Einsamkeit. Gibt Tipps und natürlich sind Anleitungsübungen dabei … mir geht das so langsam sehr auf den Keks!

Ich lese direkt etwas über die Arbeitsweise von Milton H. Erickson oder hole Michaela Huber, Luise Reedemann, Alice Miller u.a. aus dem Bücherregal – als den 10.000 Ratgeber, der sich wiederholt.

Wie wäre es mal mit Emotionen aushalten und annehmen, dass Einsamkeit ein Teil des ganzen Menschseins ist? Unabhängig davon dachte ich, dies sei eh alles Schnee von gestern – von wegen Singlehaushalte, rückläufige Geburtenrate, verminderte Fruchtbarkeit, Scheidungen, Trennungen, Wandel der Ehe als Institution – die ihre Bedeutung im Sinne der gegenseitigen finanziellen Versorgung (wohl hier auch eher für Menschen, die nicht von Armut, Abschiedung o.ä. betroffen sind) verliert?

All diese Themen habe ich während meines Studiums, was nun zehn Jahre in der Vergangenheit liegt, durchgekaut. Ebenso – ich sah auf 3sat eine Sendung, die über Postmoderne, Punk und Kunst informierte, bin ich überrascht, dass plötzlich Postmoderne sich als Debatte fortsetzt. Ich habe dazu Hausarbeiten geschrieben. Mich mit Zygmunt Bauman auseinandergesetzt, der Postmoderne/Moderne infragestellt und folgerichtig auf den Nationalsozialismus verweist, der innerhalb moderner gesellschaftlicher Strukturen funktioniert hat. Dementsprechend Vergleiche wie Moderne und Barbarei hinken. Hier ein Kommentar von Ulrich Beck http://www.taz.de/!147628/

Und natürlich sind die sozialen Systeme wie Kunst, Bildung, Wissenschaft als Teilsysteme nicht undurchlässig voneinander abgetrennt und abgeschlossen. Sie stehen im Austausch und bedingen einander.

Zudem, was manchmal gern vergessen wird, gab es 1989 gesellschaftliche Umbrüche und sozialer Wandel in ganz Europa. Auch von Globalisierung sprechen wir doch schon eine halbe Ewigkeit.

Anstatt mir Abnehmratgeber (was ich wirklich schon unverschämt finde) als Buchempfehlungen als Herz zu legen, könnte mich Amazon mal informieren, was die Menschen, die heute studieren – sei es Kunst, Politik, Soziologie, Film, Theater – bewegt und worüber sie schreiben, nachdenken und an welchen Utopien und Weltverbesserungsideen gebastelt wird.

Vermutlich sind Foucault, Goffman, Nietzsche, Kierkegaard, Max Weber, Luhnmann, Judith Butler noch so aktuell wie Hesse, Frisch, Kafka, Marlen Haushofer, Simone de Beauvoir, Susan Sontag und trotzdem wird sich der Blick weiten, öffnen und verändern.

Weil sich der Alltag verändert. Ich spreche mit lesbischen Freund_innen, die über eine Samenbank sich ihren Kinderwunsch erfüllen und dafür mehr zur Kasse gebeten werden als heterosexuelle Paare. Parallel gucke ich eine Dokumentation  auf ARTE über künstliche Befruchtung in den USA. Bin überrascht, was heterosexuelle Paare, die bereits Eltern von zwei Söhnen sind -, auf sich bürden, um unbedingt ein Mädchen auf die Welt zu bringen.

Ich brauche keine Dating-Internetportale. Ich bin zufrieden mit meiner Einsamkeit. Hadern, zweifeln, scheitern sind Bestandteile einer Persönlichkeitsentwicklung, die ebenso Beachtung verdienen.

Liebe*, sich einlassen, Zuneigung schenken und annehmen können – sind keine Gegenstände, die ich herstellen möchte -so als inszeniere ich ein Theaterstück. Da schreibe ich lieber, lese über von Tschechow und über die Dramatik des Erzählens.

Ich habe nicht mal mehr Lust und Zeit für Facebook. Und da erinnere ich mich auch … ich war eine mit der ersten, die studivz (existiert das heute überhaupt noch?) zu facebook wechselte. Damals wollte ich unbedingt den Gedanken der weltweiten Vernetzung unterstützen. Denn es gibt einfach zu viele Länder, in denen Öffentlichkeit beschränkt werden. Menschen müssen tatsächlich um ihr Leben bangen und bringe sich in Lebensgefahr, wenn sie sich äußern und vieles mehr.

Ich habe echt keine Lust mehr auf diese Amazon-empfehlungen. Mal sehen, was ich wohl morgen in der Emailpost als Werbung liegt.

Ich schreibe regelmäßig, weil es mir Freude bereitet. Es macht Spaß auf die Tastatur zu hauen. Die innere Auseinandersetzung ist mir selbstverständlich. Hürden, Hindernisse, Hemmnissen werden immer mal wieder auftauchen und hoffentlich schreibe ich bald eine Geschichte mit einem Ende, was mich zufriedenstellt. Ich brauche (aus sehr vielfältigen Gründen) die persönliche, biografische Auseinandersetzung, um in den kreativen Prozess einzutauchen, ohne darin zu ertrinken.

Für Ratgeberliteratur gebe ich mein Geld nicht mehr aus. Lieber Kino, Theater oder einfach eine tolle Serie auf DVD … und verdammt Frida Kahlo hat bestimmt auch niemand gesagt, sie solle sich rasieren oder mal wieder Sport treiben, um schön hübsch für den Diego oder eine andere Liebhaberin zu bleiben …

bernsteinfrau

windSTILL

CAM00623

leer

wie ausgelaufene tinte

die sich durch die betonritzen

ihren weg ebnet

es ist windstill!

bernsteinfrau

samstag, 04.04.2015

Worte können Bilder malen …

Donnerstag, 02.04.2015

Zurzeit lese ich jeden Tag in einem Buch und manchmal sind es sogar verschiedene Bücher – zusätzlich griff ich zu nach zwei Romanen, die ein wenig warten müssen.

Heute beschäftigt mich wieder das das Drama um hochbegabte Frauen* (ich verwende hier bewusst genderbezogene Pronomen und Bezeichnungen, um Unterschiede sichtbar zu machen, damit ein Hinterfragen und die Suche nach Alternativen und Dekonstruktion möglicher werden). Schon wenn ich den Satz aufschreibe, machen sich Abwehr und eigene Abwertungsmechanismen bemerkbar. Im Herbst des Jahres 2013 hatte ich beschlossen, ich brauche dringend ein Coaching, um wieder etwas mehr Licht in meinen beruflichen Weg zu bringen.

Es ist interessant, wie ich mich selbst täusche. Ich (be)nutze spezifische professionelle Haltung und Erfahrung, um mir selbst eine Form von Nützlichkeit und Berechtigung zu erlauben, die allerdings mit reinem Denken und Reflektieren gar nicht fassbar werden können. Hinter diesem hochgesteckten Ziel stand vielmehr der Wunsch, endlich das Schreiben als einen festen Bestandteil meines Lebens anzuerkennen, zu integrieren und den Mut zu finden, dies offenherzig nach außen zu tragen.

Schon in der ersten Coachingstunde sprach ich über das Verhältnis zu meinen Eltern, so dass „Coaching“ an dieser Stelle lediglich als Brücke zu meinem therapeutischen Prozess, der längst überfällig war, sich schnell wandelte und das berufliche Ziel als eine grundsätzliche Suche nach Sinn enttarnte. Je tiefer ich in diesen Prozess einsteigen, umso mehr wächst in mir die Befürchtung ein eher zurückgezogenes Leben zu führen. Andererseits strafe ich diesen Gedanken als lächerlich ab – es verdeckt die Scham. Und zeigt nur den Teil, der sich ans Licht traut, weil es wohl eher höfliches Mitleid auslöst und weniger Widerstand und Konfrontation mit anderen bedeutet. Grabe ich nämlich tiefer, entdecke ich Stolz und eine Form von Befriedigung, die sich einstellt, wenn ich jeden Tag in Windeseile Silben und Worte aneinanderreihe mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die mich manchmal ein wenig überrascht.

Trotzdem nagt die Unzufriedenheit bzw. die Vorstellung Ungenügend zu sein wütet – das Lesen, Schreiben, die innere Auseinandersetzung sind isolierte Tätigkeiten, die einerseits Zeit in Anspruch nehmen und andererseits Entscheidungen nach Prioritäten im alltäglichen Leben bedürfen. Das Unbehagen bezieht sich auf den fehlenden Familien- und Beziehungsstatus und Fragen nach Austausch und Abkehr von erlernten/verinnerlichten Beziehungsformen, die als Spiegel durch weibliche* Sozialisation an mir kleben – den übertragenden Ansprüchen nicht genügen und dafür einen Preis zu zahlen, den ich vielleicht (noch) nicht bereit bin in Kauf zu nehmen. Oder versteckt sich dahinter mehr der Wunsch nach Bestätigung und Bestärkung durch andere, die dich antreiben, weil es plötzlich wieder Sinn macht, Worte aufs Papier zu bringen?

In der Schulzeit nahm ich an Schreibwerkstätten teil. Ich wurde sogar bevorzugt. Ich hatte es in Gruppen schwer, mich laut zu zeigen. Der Schriftsteller Heinz Kruschel hat mich begleitet. Er schrieb mir Briefe, ermutigte mich und bemühte sich mein Talent für mich selbst sichtbar zu machen. Früh las ich Texte zu den Landesliteraturtagen in Sachsen-Anhalt. Ich traute mich allein, ohne elterliche Bestärkung – und vielleicht fehlte genau dieser Zuspruch, um zu lernen, wie ich Widerstände von anderen nutze und aushalte, damit es gelingt selbständig der Welt zu begegnen – ohne Lehrer, ohne Mentoren, ohne Ratgeber und ohne mir selbst ins Knie Begegnung in mir und  mit anderen als Schlüssel für das kreative Schreiben? 

Mittlerweile gibt es unzählige Schreibratgeber. Ich bin darüber ein wenig verwundert. Damals schrieb mir Heinz Kruschel noch mit Federhalter und Tinte Briefe, gab preis – welche Autoren ihn bewegten und was an meinen Gedichten und Texten ihn berührt und was weniger stimmig ist. Er wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, mir einen Schreibratgeber zu empfehlen. Es ging um Kontakt, Beziehung und Austausch – und dies hatte ich bitter nötig. Durch Heinz Kruschel lernte ich die Autorin Brigitte Reimann kennen, Gottfried Benn und fühlte mich getragen von dem Gedanken, mein eigenes Leben mit Schreiben auszufüllen. Ich sah mich wie Brigitte Reimann, die begierig die Lebendigkeit genoss –

Heute sehne ich mich nach solchen Orten, wie ich es als junge Frau erfahren durfte – ohne diese Facebooks-likes, mit handgeschriebenen Briefen und Begegnungen, die von anderen Autoren, Künstlern, Bildern, Texte, Gedichte geprägt sind – ohne die mögliche Veröffentlichung, den nächsten großen Fang auf dem Buch- oder Kunstmarkt in den Mittelpunkt zu rücken –

Es sind freundschaftliche Bindungen, die Einsamkeit und die manchmal sehr in sich zurückgezogene Tätigkeit des Schreibens und Malens teilen können –.

Immer mal wieder erprobe ich mich. Ringe um eine klare Struktur, der ich im Schreiben folgen will. Wie schreibe ich einen Krimi? Wie erzeuge ich Spannung? Was ist ein richtiger Roman? Wie schreibe ich bloß kein langweiliges Drehbuch?

ich scheitere! Ich sehe vor mir Brigitte Reimann, die auf die Tasten ihrer Schreibmaschine in Hoyerswerda klopft als sie mit ihrem Ehemann und Autor S. Pitschmann dem Ruf der Bitterfelder Wege folgte …

Ich mag die Poesie und weniger die strengen Regeln von Genres und die für mich quälenden Auseinandersetzungen nach Zielgruppe, Publikumsgeschmack und Vermarktungsmöglichkeiten.

Heute gibt es Studiengänge, Ratgeber, Workshops und Coaching – und trotzdem hilft es nicht – denn entscheidend ist (für mich), wie halte ich die Einsamkeit beim Schreiben aus – im Moment des Schreibens sitze ich mir selbst gegenüber, führe innere Monologe, male Bilder mit Worten und reise auf dem Papier – jedoch vielleicht nicht im realen Leben – ich liefere mich der Innenwelt aus und muss im Außen anderen gestehen, dass ich den Abend allein mit mir verbrachte.

Ich schreibe Sätze mit der Hand oder der Tastatur, übermale geht am PC nicht – hier lösche ich. Wie mit einem Tintenkiller, wenn ein Wort nicht schön genug scheint, der angreift und vernichtet.

Es gibt sogar Skriptcoaching – wofür ich vermutlich ziemlich viel Geld hinlegen muss, ohne am Ende zu wissen, wie gehe ich mit Widerständen um – wie setze ich mich für etwas ein, woran ich glaube, während andere vermuten, dass ich versagen werde.

Wer schreibt noch Abhandlungen, Briefe und Essays nur um in den Gedankenaustausch und Kontakt mit anderen zu treten – ohne ein therapeutisches, beraterisches oder erzieherisches Ziel zu verfolgen?

Die innere Vielfalt versus der äußeren Bewegtheit (Fähigkeiten wie Small talk, Reisefotos posten, likes sammeln, immer unterwegs sein, schreiben im zug, am bahnhof, in cafés – nur selten auf sich selbst und reduzierte Reize zurückgeworfen)

Ich lese jetzt Frauenbriefe aus der Romantik – ein Buch, was mir mein damaliger (Lebens)Partner zum 22.Geburtstag schenkte, uns verband das Schreiben und Lesen und uns trennte unterschiedliche, sich widersprechende Vorstellungen und Erwartungshaltungen von Männlichkeit und Weiblichkeit und vermutlich der Nutzen einer Liebesbeziehung, die nicht im gemeinsamen Zeugen, Gebären und Erziehen von Kindern mündet.

Er wählte den akademisch-wissenschaftlichen Weg mit einer akademisch-wissenschaftlich orientierten Frau an seiner Seite und gründete eine Familie* … ich nicht …

und inwiefern ich selbst das Fehlen solcher Entscheidungen als Makel und Stigma betrachte, darin bin ich mir unschlüssig – vielleicht finde ich Antworten in Briefen von anderen Frauen oder woanders oder wo auch immer ….

„Es ist dieses Ringen um ein eigenes Selbst, das einem Menschen Stärke gibt, das eigene Selbst und gleichzeitig den Kontakt zu einer auf vielen Ebenen unwirklichen gesellschaftlichen Realität aufrechtzuerhalten. Aus solchem Ringen kommt auch Freude an der eigenen Lebendigkeit und der des anderen. Indem solch ein Selbst jedoch nicht ein abstraktes Bild eines Image ist, sondern ein Zustand der Verbundenheit mit den eigenen Gefühlen sowie mit denen der anderen, kann es nur bestehen, wenn das Ringen um solche Verbundenheit lebendig bleibt. […] Deswegen ist Lebendigkeit Wandel, nicht Beständigkeit: deshalb kommt Stabilität aus der Fähigkeit, Spannungen zu ertragen; und kein einzelner ist immun gegen die verführerischen Versprechungen einer konfliktfreien Existenz.“ (Arno Gruen aus: Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau. DTV-Verlag, 2009 S. 151)

Anmerkung: Natürlich sehe ich diese Auseinandersetzung nicht so im Absoluten Schwarz/Weiß und in einer Polarisierung zwischen Entweder/Oder und Wertung im Sinne eines Hierarchisieren, was besser oder schlechter sei – dies mag ich mir überhaupt nicht anmassen und unterliegt nicht meiner Einschätzung und Intention.