BANALITÄTEN IM ALLTAG

Kunst(schaffen) _ Gesellschaft _ Therapie

Schlagwort: Kreativität (Seite 1 von 2)

Schmerz, für den es kaum Worte gibt

im regen sehe ich dich,

in den Vögeln, die Flugversuche in der strahlenden Maisonne starten

steckt deine Lebensfreude.

zu fassen, was ein Herz kaum tragen kann. Ohne Zukunft blicke ich auf die Gegenwart. Ohne Zukunft im Bemühen hungrige Geister im Licht der Nacht mit Apfelstücken im Garten zu besänftigen; außer Kontrolle. alles außerhalb menschlicher Kontrolle. Mut zur Hingabe und dem sich hingeben; Vertrauen im Annehmen deiner Hand; deine letzten Worte sind mir in Fleisch und Blut transformiert; dein Herz ist bei mir. Wir sind eins; keine grenzen, die uns trennen und nun auch keine Furcht; die Sorge um dich lasse ich los; die Angst – dass du von heute auf morgen gehst, hat sich in Rauch aufgelöst. Ich saß in deinem Sessel mit dem Hund auf dem Schoß und hörte dich voller Zuversicht, dass du nun für immer bei mir bist; so lange bis bei mir von heute auf morgen alles außer Kontrolle gerät.

Nur der Schmerz, die Sehnsucht und die Tränen reißen im Inneren meines Körpers;  so dass mir vor Leid die Luft wegbleibt und ich mich erinnern muss, dass das Atmen wie von selbst geschieht. Es ist ein Abschied, den wir erahnten; im Kennenlernen ließen wir los. Kein Label, keine Schublade und kein Bedauern. Nimm‘ an, was Dir das Leben gibt.

Foto von Jeanne Lessenich

Nachtrag:

Meine Liebste, engste Vertraute, Begleiter_in durch das kreative Wirrwarr des Lebens ist in die Verwandlung eingetreten; ich bin voller Liebe, Trauer und Dankbarkeit für das Glück, was wir teilen durften. Wir sind jetzt eins; nur dass ich hier mit dem Alltag am Törichten Bach weiter fließe:

http://www.am-toerichten-bach.de

 

Mit dem Atemzug …

… an der Haut von innen nach außen wandern

img_0092In den Tiefen der Berührung, wohin sich selten Worte verirren, weil im Dickicht verdunkelter Ungewissheiten der Verstand bereitwillig schweigt. Jene grüblerische Suche sich stattdessen sanft und müde auf den Atem ruhend bindet. Das innere Messerschärfen stellt dankbar ermattet die Arbeit ein; von innen ertastet das Einatmen die Haut unter seiner Oberfläche – von außen bleibt beständig der Raum, welcher durch die Erde getragen uns verbindet. Im feucht-luftigen Windstoß sammelt sich auf dem Weg nach außen manchmal maskiertes, flüssiges Blei, was die Kehle im Fluss verbrennt – schweres Herz nimmt Aggression als Teil des Werden und Gehens im Ausatmen an; für den Frieden im Innen (und Außen) braucht es Geduld und einen unaufhörlich langen Atem von Generation zu Generation verwurzelt in einer Entwurzelung;

und immer mal wieder; sich dem Scheitern und Versagen liebevoll in die Arme werfen. Plötzlich ergeben sich klare Worte aus dem Raum, den der Verstand aus Feigheit umschifft.

Atem

Wir leben

von Atem zu Atem

In allen Pflanzen und Tieren

schlägt sein Luftherz

Wir

an sein Dasein gebunden

gehen ein mit ihm

in den Atem der Erde

– Rose Ausländer

achtsames Experiment, teil drei – körperliche Energien versus Optimierungsfalle

…oder wenn (Termin)Erinnerungen zum Stressfaktor mutieren.

img_0567An manchen Tagen gelingt das Experiment mit der Achtsamkeit nicht. Es äußert sich dann als Last; ein weiterer Termin in einer Zeit, die viele Aufgaben und Anforderungen den Atem stocken lässt. Im Inneren der Blick in die Zukunft gerichtet; anhaftend an Vorstellungen, wie könnte es sein. Im Grunde vielleicht sogar eine Form von Ermahnungen und ein -sich-selbst-Mut-zusprechen-; also eine innere imaginäre Wunschaussicht aus dem Fenster in die Zukunft, wofür es sich im Hier und Jetzt lohnt, so viele Bürden auf sich zu nehmen. Fast paradiesisch mutet die innere Aussicht auf zukünftige Erlösung an; nur wiederum ein innerer Quälgeist  stänkert und fordert ein, lässt Rufe nach mehrjährigen Garantien immer lauter im Denkkarussell kreisen. Vor lauter Schwindel beruhigt sich in der Meditation nicht mal der Atem, welcher unaufhörlich fließt. Es scheint, als atmet es sich nicht. Ausharren, Kribbeln  und Krämpfe an Körperstellen, das Gehirn drückt gegen die Schädeldecke, die Stirn platzt vor Verkrampfung und ein unruhiger Geist weigert sich von imaginären anhafteten Vorstellungen loszulassen. Glück lässt sich nicht verlängern. Je stärker das Streben, die Zeit festhalten zu wollen, um so schneller treibt alles unbemerkt davon. Wandel als innere Haltung anzunehmen, bedeutet wohl auch wohlwollend anzunehmen, das Glück und Zufriedenheit sich verflüchtigen, so bald du ES festhalten willst. Sich selbst GEHEN lassen, gelingt vielleicht irgendwann durch das stetige Wiederholen von Wandel. Und dazu dürfen die Tage, an denen alles zu einer klebrigen Massen verschmelzt, nicht fehlen. Erst das Erspüren von unterschiedlichen Bewusstseinszuständen, macht ES lebendig. Mir drängen sich die nächste Frage auf, die Raum und Zeit brauchen, um auf der Zunge zu zergehen: Wie erspüre ich die Unterschiedlichkeit der Räume von Zweckfreiheit und Sinn? Wie kann zweckfreier Sinn sich äußern? Und geht das überhaupt; zweckfreier Lebenssinn? KOMMEN und GEHEN schließen sich als eins im Kreis?

wolken verschieben

img_0075

Am Abend sich selbst so betten, damit das Aufstehen im Morgengrauen im Hier und Jetzt gelingt. Unzufriedenheit verdreht sich um die Gedankengänge, welche der Lebendigkeit all die Vorstellungen vorwerfen, die in der Gegenwart fehlen. Im Strudel einer Selbstvergessenheit wird schweigsame Achtsamkeit, um das eigene Ein- und Ausatmen wahrnehmen zu können, unzerkaut verschlungen.

Das Hier und Jetzt auf Übermorgen verschoben; und Übermorgen wird „der neuste Schrei“ hungrig nach dem, was fehlt, gieren.

Ich setze mich, ruhe und lasse mich selbst auf das Ein- und Ausatmen sinken, es kann mich tragen im Augenblick. Kreativität fällt in den Schoß.

 

sprachlos; ist selten ohne worte

Sonntag, 16.08.2015

und trotzdem meist leise. Manchmal springt nur der leere Satz entgegen, es fehlen die Worte … und manchmal in tieferen Erdschichten baden die verschiedenen Teile des Selbst im Getöse der Sprachgewalt, lassen sich ungeniert beobachten, was deren Freude keinen Abbruch verschafft. Es scheint fast unter Beobachtung laufen alle* zu Höchstleistungen auf.

Neue Erfahrungen öffnen neue Türen, wenn ich den Türgriff fest entschlossen in die Richtung führe, der ich gern entgegen laufen möchte. Sich einlassen auf neue Materialien und dabei seine eigene Sprache wieder (neu) (er)finden. Der Stein hätte mich fast in die Flucht geschlagen. Statt kontrolliert den Stein mit Bewegung zu formen, spürte ich den knallharten Widerstand – dem ich lieber mit Sprengstoff begegnet wäre als mit geduldigem Hämmern. Mittlerweile weiß ich um die Chance – erneut mit körperlicher Präsenz und Energie zielsicher den Türgriff zu führen. Die Beharrlichkeit der Kampfkunst trägt Früchte und zahlt sich aus. In allem wohnt der Anfänger*innengeist; so auch im Stein fühlt er* sich zuhause und lässt nicht locker. Bis das Harte butterweich mit den Bewegungen des Körpers verschmilzt und im Fluss der täglichen Wiederholung;  gesonnt im Licht der Selbstverständlichkeit(en) Gestalt annimmt.

ansichten

In der letzten Woche drehte das Thema „Wider der Eindeutigkeit und das Aufbrechen der Zweigeschlechtigkeit“ Runden in meinem Kopf. Es schwamm im Wasser der weiblichen Sozialisation und der verinnerlichten Mythen und ringt mit jeder Runde, dem entkommen zu können, um sich selbst nicht Steine in den Weg zu werfen.

zweiter_steinUnd prompt liegt ein zweiter Stein zur Bearbeitung bei mir auf dem Tisch. Nach eingehender Betrachtung sprach das Stein_Chamäleon zu mir, was nun zum Leben erweckt werden will.

Zwischendrin führe ich den bokken und freue mich wie eine Schneekönig*in im Sommer, die nach bald vier Monaten Kenjutsu Training plötzlich Serie eins und Großkata eins unterscheiden kann. So lohnt sich auch ein zufälliger Blick ins kleine Schwertbüchlein und was sagt es:

„Was ist nun das ‚Ich‘ des wahren Selbst? Es ist das Selbst, das bereits vor der Teilung von Himmel und Erde existierte und vor der Geburt der eigenen Eltern – vor allem, was geboren wurde. Es ist das Selbst, das nicht stirbt, das Selbst der Ewigkeit. Menschen, Vögel, wilde Tiere und Pflanzen – sie alle besitzen dieses Selbst. Das Universum ist davon erfüllt.“ (aus: Das Tor zur heiteren Gelassenheit. Zen und Kampfkunst, Takuan Soho)

bernsteinfrau

Jäger_in unter Sammler – ein besonderer Nachtrag

… die Art Cologne ist eröffnet. Erstaunlicherweise wendet sich manchmal das Blatt von heute auf morgen. Eigentlich mag ich zu viele Bilder in einem Raum nicht. Schwierig wird es, wenn Räume mich an Einkaufszentren erinnern. Schnell bin ich genervt von solch einer Atmosphäre, fühle mich überrannt und wenig präsent mit ungenügender Aufmerksamkeit. So dass ich nur flüchtig betrachte, um einer Überflutung aus dem Weg zu gehen …

… so wäre ich eher nicht auf die Idee gekommen, mir ein Ticket für die Art cologne zu besorgen und habe es trotzdem gekauft. Heute spürte ich eine seltsame Aufregung, weil ich wusste … es ist eröffnet und Alex Lebus ist dabei. Und ich werde mir für ihr Werk Zeit nehmen, worauf ich mich freue. Und vielleicht schreibe ich danach einen Text und vielleicht beginnt der Text mit einer Erinnerung, wie wir (damals zu viert) uns aufmachten zur Documenta nach Kassel. Das Geld reichte für das Zugticket. Wir drückten uns die Nasen an der Eingangstür platt, heimsten Prospekte ein und ein Foto, was bei mir im Fotoalbum klebt, – junge Menschen auf einer Parkbank in Kassel. Wir waren dabei!

… und heute drückte ich die Daumen … eine Jäger_in unter all den Sammlern darf nicht verloren gehen. Manche Fragen bleiben gleich, auch wenn der Zahn der Zeit daran nagt; Suche nach Identität und Sinn; mit der Klarheit ein Teil des Systems zu sein und der Verweigerung die Bühne für eine facettenlose Marionettennummer zu nutzen … ich bin gespannt, was ich sehen werde am Samstag auf der Art Cologne. Ich mache mich auf die Suche … und schreibe vielleicht einen Text für dich. Wie damals. Nur anders. Mit dem nagenden Zahn der Zeit am pochenden (Welt)-geschehen, tief verwurzelt und entwurzelt!

http://www.alexlebus.com/

http://www.alexlebus.com/works.html

bernsteinfrau

Kein Teil darf bedeutender sein als das Ganze (Rodin)

CAM00636Montag, 13.04.2015

Müdigkeit. Langeweile in der Regelmäßigkeit überwinden. Sich selbst wiederholen bis der Mund sich zu einem ausgedehnten Gähnen formt. Die große Herausforderung des Alltags, wenn ich mir das Schreiben auferlege.

Ich lese über das „Dramatische Schreiben“ in Film, Theater und Roman. So eben hörte ich, Günter Grass hatte Sorgen vergessen zu werden. Nun wer teilt diese Sorge nicht. Das Verderben, all das Streben nach Unsterblichkeit im Sinne von einmaligen Leistungen, die die Menschheit verändern.

Sind es nicht solche Forderungen, die den Alltag in den Schatten stellen und dabei liegt im alltäglichen Allerlei die Magie? Und wo sind all die Frauen der Nachkriegszeit?

Und ich höre immer wieder von der Generation der „Babyboomer“ und wie steht es um Rassismus? Und wo sind die Menschen, die in der DDR geboren sind? (außer sie versammeln sich in Dresden mit Pegida)

Der heutige Montag endet mit unbeantworteten Fragen. Abschied als Teil des Alltags und die Ungewissheit als treibende Kraft für den nächsten Schritt in den Morgen. Verlassensein und Einsamkeit als Wiederholungen, die eigentlich bitter aufstoßen und in einer Übertreibung von Glückseligkeit ausradiert werden.

Ich widme mich weiter dem Buch und den Kapiteln zur Charakter- und Figurenentwicklung. Zuvor blättere ich im Gedichtband von Mascha Kaléko:

Sehnsucht nach dem Anderswo

Drinnen durften die Äpfel im Spiel

Prasselt der Kessel im Feuer.

Doch draußen pfeift Vagabundenwind

Und singt das Abenteuer!

Der Sehnsucht nach dem Anderswo

Kannst du wohl nie entrinnen:

Nach drinnen, wenn du draußen bist,

Nach draußen, bist du drinnen.

Mascha Kaléko

Ich bemühe mich, mir selbst, meinen Ansprüchen und Talenten jeden Tag gerecht zu werden. Im Alltag. Und mit all meiner eigenen Widersprüchlichkeit und der Versöhnung mit dem permanenten Wandel und der nie müde werdenden Veränderung.

Es findet sich im Malen, Schreiben, und Miteinander!

windSTILL

CAM00623

leer

wie ausgelaufene tinte

die sich durch die betonritzen

ihren weg ebnet

es ist windstill!

bernsteinfrau

samstag, 04.04.2015

Worte können Bilder malen …

Donnerstag, 02.04.2015

Zurzeit lese ich jeden Tag in einem Buch und manchmal sind es sogar verschiedene Bücher – zusätzlich griff ich zu nach zwei Romanen, die ein wenig warten müssen.

Heute beschäftigt mich wieder das das Drama um hochbegabte Frauen* (ich verwende hier bewusst genderbezogene Pronomen und Bezeichnungen, um Unterschiede sichtbar zu machen, damit ein Hinterfragen und die Suche nach Alternativen und Dekonstruktion möglicher werden). Schon wenn ich den Satz aufschreibe, machen sich Abwehr und eigene Abwertungsmechanismen bemerkbar. Im Herbst des Jahres 2013 hatte ich beschlossen, ich brauche dringend ein Coaching, um wieder etwas mehr Licht in meinen beruflichen Weg zu bringen.

Es ist interessant, wie ich mich selbst täusche. Ich (be)nutze spezifische professionelle Haltung und Erfahrung, um mir selbst eine Form von Nützlichkeit und Berechtigung zu erlauben, die allerdings mit reinem Denken und Reflektieren gar nicht fassbar werden können. Hinter diesem hochgesteckten Ziel stand vielmehr der Wunsch, endlich das Schreiben als einen festen Bestandteil meines Lebens anzuerkennen, zu integrieren und den Mut zu finden, dies offenherzig nach außen zu tragen.

Schon in der ersten Coachingstunde sprach ich über das Verhältnis zu meinen Eltern, so dass „Coaching“ an dieser Stelle lediglich als Brücke zu meinem therapeutischen Prozess, der längst überfällig war, sich schnell wandelte und das berufliche Ziel als eine grundsätzliche Suche nach Sinn enttarnte. Je tiefer ich in diesen Prozess einsteigen, umso mehr wächst in mir die Befürchtung ein eher zurückgezogenes Leben zu führen. Andererseits strafe ich diesen Gedanken als lächerlich ab – es verdeckt die Scham. Und zeigt nur den Teil, der sich ans Licht traut, weil es wohl eher höfliches Mitleid auslöst und weniger Widerstand und Konfrontation mit anderen bedeutet. Grabe ich nämlich tiefer, entdecke ich Stolz und eine Form von Befriedigung, die sich einstellt, wenn ich jeden Tag in Windeseile Silben und Worte aneinanderreihe mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die mich manchmal ein wenig überrascht.

Trotzdem nagt die Unzufriedenheit bzw. die Vorstellung Ungenügend zu sein wütet – das Lesen, Schreiben, die innere Auseinandersetzung sind isolierte Tätigkeiten, die einerseits Zeit in Anspruch nehmen und andererseits Entscheidungen nach Prioritäten im alltäglichen Leben bedürfen. Das Unbehagen bezieht sich auf den fehlenden Familien- und Beziehungsstatus und Fragen nach Austausch und Abkehr von erlernten/verinnerlichten Beziehungsformen, die als Spiegel durch weibliche* Sozialisation an mir kleben – den übertragenden Ansprüchen nicht genügen und dafür einen Preis zu zahlen, den ich vielleicht (noch) nicht bereit bin in Kauf zu nehmen. Oder versteckt sich dahinter mehr der Wunsch nach Bestätigung und Bestärkung durch andere, die dich antreiben, weil es plötzlich wieder Sinn macht, Worte aufs Papier zu bringen?

In der Schulzeit nahm ich an Schreibwerkstätten teil. Ich wurde sogar bevorzugt. Ich hatte es in Gruppen schwer, mich laut zu zeigen. Der Schriftsteller Heinz Kruschel hat mich begleitet. Er schrieb mir Briefe, ermutigte mich und bemühte sich mein Talent für mich selbst sichtbar zu machen. Früh las ich Texte zu den Landesliteraturtagen in Sachsen-Anhalt. Ich traute mich allein, ohne elterliche Bestärkung – und vielleicht fehlte genau dieser Zuspruch, um zu lernen, wie ich Widerstände von anderen nutze und aushalte, damit es gelingt selbständig der Welt zu begegnen – ohne Lehrer, ohne Mentoren, ohne Ratgeber und ohne mir selbst ins Knie Begegnung in mir und  mit anderen als Schlüssel für das kreative Schreiben? 

Mittlerweile gibt es unzählige Schreibratgeber. Ich bin darüber ein wenig verwundert. Damals schrieb mir Heinz Kruschel noch mit Federhalter und Tinte Briefe, gab preis – welche Autoren ihn bewegten und was an meinen Gedichten und Texten ihn berührt und was weniger stimmig ist. Er wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, mir einen Schreibratgeber zu empfehlen. Es ging um Kontakt, Beziehung und Austausch – und dies hatte ich bitter nötig. Durch Heinz Kruschel lernte ich die Autorin Brigitte Reimann kennen, Gottfried Benn und fühlte mich getragen von dem Gedanken, mein eigenes Leben mit Schreiben auszufüllen. Ich sah mich wie Brigitte Reimann, die begierig die Lebendigkeit genoss –

Heute sehne ich mich nach solchen Orten, wie ich es als junge Frau erfahren durfte – ohne diese Facebooks-likes, mit handgeschriebenen Briefen und Begegnungen, die von anderen Autoren, Künstlern, Bildern, Texte, Gedichte geprägt sind – ohne die mögliche Veröffentlichung, den nächsten großen Fang auf dem Buch- oder Kunstmarkt in den Mittelpunkt zu rücken –

Es sind freundschaftliche Bindungen, die Einsamkeit und die manchmal sehr in sich zurückgezogene Tätigkeit des Schreibens und Malens teilen können –.

Immer mal wieder erprobe ich mich. Ringe um eine klare Struktur, der ich im Schreiben folgen will. Wie schreibe ich einen Krimi? Wie erzeuge ich Spannung? Was ist ein richtiger Roman? Wie schreibe ich bloß kein langweiliges Drehbuch?

ich scheitere! Ich sehe vor mir Brigitte Reimann, die auf die Tasten ihrer Schreibmaschine in Hoyerswerda klopft als sie mit ihrem Ehemann und Autor S. Pitschmann dem Ruf der Bitterfelder Wege folgte …

Ich mag die Poesie und weniger die strengen Regeln von Genres und die für mich quälenden Auseinandersetzungen nach Zielgruppe, Publikumsgeschmack und Vermarktungsmöglichkeiten.

Heute gibt es Studiengänge, Ratgeber, Workshops und Coaching – und trotzdem hilft es nicht – denn entscheidend ist (für mich), wie halte ich die Einsamkeit beim Schreiben aus – im Moment des Schreibens sitze ich mir selbst gegenüber, führe innere Monologe, male Bilder mit Worten und reise auf dem Papier – jedoch vielleicht nicht im realen Leben – ich liefere mich der Innenwelt aus und muss im Außen anderen gestehen, dass ich den Abend allein mit mir verbrachte.

Ich schreibe Sätze mit der Hand oder der Tastatur, übermale geht am PC nicht – hier lösche ich. Wie mit einem Tintenkiller, wenn ein Wort nicht schön genug scheint, der angreift und vernichtet.

Es gibt sogar Skriptcoaching – wofür ich vermutlich ziemlich viel Geld hinlegen muss, ohne am Ende zu wissen, wie gehe ich mit Widerständen um – wie setze ich mich für etwas ein, woran ich glaube, während andere vermuten, dass ich versagen werde.

Wer schreibt noch Abhandlungen, Briefe und Essays nur um in den Gedankenaustausch und Kontakt mit anderen zu treten – ohne ein therapeutisches, beraterisches oder erzieherisches Ziel zu verfolgen?

Die innere Vielfalt versus der äußeren Bewegtheit (Fähigkeiten wie Small talk, Reisefotos posten, likes sammeln, immer unterwegs sein, schreiben im zug, am bahnhof, in cafés – nur selten auf sich selbst und reduzierte Reize zurückgeworfen)

Ich lese jetzt Frauenbriefe aus der Romantik – ein Buch, was mir mein damaliger (Lebens)Partner zum 22.Geburtstag schenkte, uns verband das Schreiben und Lesen und uns trennte unterschiedliche, sich widersprechende Vorstellungen und Erwartungshaltungen von Männlichkeit und Weiblichkeit und vermutlich der Nutzen einer Liebesbeziehung, die nicht im gemeinsamen Zeugen, Gebären und Erziehen von Kindern mündet.

Er wählte den akademisch-wissenschaftlichen Weg mit einer akademisch-wissenschaftlich orientierten Frau an seiner Seite und gründete eine Familie* … ich nicht …

und inwiefern ich selbst das Fehlen solcher Entscheidungen als Makel und Stigma betrachte, darin bin ich mir unschlüssig – vielleicht finde ich Antworten in Briefen von anderen Frauen oder woanders oder wo auch immer ….

„Es ist dieses Ringen um ein eigenes Selbst, das einem Menschen Stärke gibt, das eigene Selbst und gleichzeitig den Kontakt zu einer auf vielen Ebenen unwirklichen gesellschaftlichen Realität aufrechtzuerhalten. Aus solchem Ringen kommt auch Freude an der eigenen Lebendigkeit und der des anderen. Indem solch ein Selbst jedoch nicht ein abstraktes Bild eines Image ist, sondern ein Zustand der Verbundenheit mit den eigenen Gefühlen sowie mit denen der anderen, kann es nur bestehen, wenn das Ringen um solche Verbundenheit lebendig bleibt. […] Deswegen ist Lebendigkeit Wandel, nicht Beständigkeit: deshalb kommt Stabilität aus der Fähigkeit, Spannungen zu ertragen; und kein einzelner ist immun gegen die verführerischen Versprechungen einer konfliktfreien Existenz.“ (Arno Gruen aus: Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau. DTV-Verlag, 2009 S. 151)

Anmerkung: Natürlich sehe ich diese Auseinandersetzung nicht so im Absoluten Schwarz/Weiß und in einer Polarisierung zwischen Entweder/Oder und Wertung im Sinne eines Hierarchisieren, was besser oder schlechter sei – dies mag ich mir überhaupt nicht anmassen und unterliegt nicht meiner Einschätzung und Intention. 

wenn ich groß bin, werde ich kranfahrerin!

Dienstag, 31.03.2015

wenn ich groß bin, werde ich ein dinoam freitag treffe ich mich mit anderen menschen, um das thema „masken- und rollenspiel“ – was zunächst auf der metaphysischen ebenen begann, in dem künstlerischen-kreativen prozess eine fassbare richtung zu verleihen –

einerseits möchte ich vorab zu wenig wie möglich vorbestimmen und andererseits geistern verschiedene vorstellungen, was ich gern probieren möchte, in meinem kopf herum. Heute griff zum katalog der ausstellung von ulrike rosenbach. Ich frage mich, wie es wohl wäre mit Menstruationsblut ein bild abzuschließen – der saft von rote beete war interessant – nur weniger dem weiblichen mythos unterlegen – und inwiefern ich mich selbst in form einer performance, die ich auf video festhalte, als eigene Maske nutze, um Unsichtbarkeit in den Mittelpunkt zu stellen und die Wandelbarkeit von körperlicher Präsenz während eine handwerklicher* Aktion vollzogen wird.

Außerdem fragte ich mich, inwiefern es möglich sei, den Ödipus-Komplex fernab von dichotomer Geschlechtlichkeit (männlich/weiblich) darzustellen. Heute beim Kaffee fiel mir ein, dass ich ja Arno Gruen im Bücherregal habe – und ich entschied mich noch mal gründlich das Kapitel „Die Entmenschlichung des Mannes und die Unterdrückung der Frau“ zu lesen.

Nur wie bringe ich all die Fäden zusammen … und weshalb ist mir es so wichtig? Ist die Angst vor der Menopause im Anmarsch, oder sind es die Fragen nach Einsamkeit und an welche sinnstiftenden Lebenszusammenhängen und Familien*konstellationen will ich mich binden? Oder lieber vorzugsweise der dornige Elfenbeinturm mit einer direkten Rutsche in die düsteren Kellerräume? Warum bin ich nur nicht Astronautin geworden?

Ich hänge für freitag meine videokamera erst mal an den Strom … immer schön einen schritt nach dem anderen …

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