BANALITÄTEN IM ALLTAG

Kunst(schaffen) _ Gesellschaft _ Therapie

Schlagwort: Künstler_innen

Jäger_in unter Sammler – ein besonderer Nachtrag

… die Art Cologne ist eröffnet. Erstaunlicherweise wendet sich manchmal das Blatt von heute auf morgen. Eigentlich mag ich zu viele Bilder in einem Raum nicht. Schwierig wird es, wenn Räume mich an Einkaufszentren erinnern. Schnell bin ich genervt von solch einer Atmosphäre, fühle mich überrannt und wenig präsent mit ungenügender Aufmerksamkeit. So dass ich nur flüchtig betrachte, um einer Überflutung aus dem Weg zu gehen …

… so wäre ich eher nicht auf die Idee gekommen, mir ein Ticket für die Art cologne zu besorgen und habe es trotzdem gekauft. Heute spürte ich eine seltsame Aufregung, weil ich wusste … es ist eröffnet und Alex Lebus ist dabei. Und ich werde mir für ihr Werk Zeit nehmen, worauf ich mich freue. Und vielleicht schreibe ich danach einen Text und vielleicht beginnt der Text mit einer Erinnerung, wie wir (damals zu viert) uns aufmachten zur Documenta nach Kassel. Das Geld reichte für das Zugticket. Wir drückten uns die Nasen an der Eingangstür platt, heimsten Prospekte ein und ein Foto, was bei mir im Fotoalbum klebt, – junge Menschen auf einer Parkbank in Kassel. Wir waren dabei!

… und heute drückte ich die Daumen … eine Jäger_in unter all den Sammlern darf nicht verloren gehen. Manche Fragen bleiben gleich, auch wenn der Zahn der Zeit daran nagt; Suche nach Identität und Sinn; mit der Klarheit ein Teil des Systems zu sein und der Verweigerung die Bühne für eine facettenlose Marionettennummer zu nutzen … ich bin gespannt, was ich sehen werde am Samstag auf der Art Cologne. Ich mache mich auf die Suche … und schreibe vielleicht einen Text für dich. Wie damals. Nur anders. Mit dem nagenden Zahn der Zeit am pochenden (Welt)-geschehen, tief verwurzelt und entwurzelt!

http://www.alexlebus.com/

http://www.alexlebus.com/works.html

bernsteinfrau

Kein Teil darf bedeutender sein als das Ganze (Rodin)

CAM00636Montag, 13.04.2015

Müdigkeit. Langeweile in der Regelmäßigkeit überwinden. Sich selbst wiederholen bis der Mund sich zu einem ausgedehnten Gähnen formt. Die große Herausforderung des Alltags, wenn ich mir das Schreiben auferlege.

Ich lese über das „Dramatische Schreiben“ in Film, Theater und Roman. So eben hörte ich, Günter Grass hatte Sorgen vergessen zu werden. Nun wer teilt diese Sorge nicht. Das Verderben, all das Streben nach Unsterblichkeit im Sinne von einmaligen Leistungen, die die Menschheit verändern.

Sind es nicht solche Forderungen, die den Alltag in den Schatten stellen und dabei liegt im alltäglichen Allerlei die Magie? Und wo sind all die Frauen der Nachkriegszeit?

Und ich höre immer wieder von der Generation der „Babyboomer“ und wie steht es um Rassismus? Und wo sind die Menschen, die in der DDR geboren sind? (außer sie versammeln sich in Dresden mit Pegida)

Der heutige Montag endet mit unbeantworteten Fragen. Abschied als Teil des Alltags und die Ungewissheit als treibende Kraft für den nächsten Schritt in den Morgen. Verlassensein und Einsamkeit als Wiederholungen, die eigentlich bitter aufstoßen und in einer Übertreibung von Glückseligkeit ausradiert werden.

Ich widme mich weiter dem Buch und den Kapiteln zur Charakter- und Figurenentwicklung. Zuvor blättere ich im Gedichtband von Mascha Kaléko:

Sehnsucht nach dem Anderswo

Drinnen durften die Äpfel im Spiel

Prasselt der Kessel im Feuer.

Doch draußen pfeift Vagabundenwind

Und singt das Abenteuer!

Der Sehnsucht nach dem Anderswo

Kannst du wohl nie entrinnen:

Nach drinnen, wenn du draußen bist,

Nach draußen, bist du drinnen.

Mascha Kaléko

Ich bemühe mich, mir selbst, meinen Ansprüchen und Talenten jeden Tag gerecht zu werden. Im Alltag. Und mit all meiner eigenen Widersprüchlichkeit und der Versöhnung mit dem permanenten Wandel und der nie müde werdenden Veränderung.

Es findet sich im Malen, Schreiben, und Miteinander!

Krähen fliegen übers Dach

Sonntag, 05.04.2015

CAM00629 CAM00630 CAM00631mit Osterwünschen und der Ermahnung, es würde am Sonntag Schnee vom Himmel fallen, verabschiedete mich eine freund_in ins Wochenende …

… dies blieb mir und meinem Hund beim Spaziergang mit Tom Waits in den Ohren erspart. Grandioser Sonnenschein, der zum Stockkampf oder improvisierten Tanzen auf der grünen Wiese einlädt.

Interessanterweise fühlte ich gestern eine gewisse Nutzlosigkeit, die eigentlich eher wenig den Tatsachen entsprach. Ich schreibe jeden tag ein paar zeilen, male, lese und hinterfrage diese aktivitäten nach sinnhaftigkeit, was völlig überflüssig ist. Es ergibt sich aus dem Prozess, unterliegt eben nicht einer Verwertbarkeit im Sinne von Lohnarbeit und vielleicht ist es genau das, was mich immer wieder hindert. Es ist scheinbar und vergleichbar mit der Hausarbeit und Kindererziehung nicht messbar und folgt keinem marktwirtschaftlichen Prinzipien der Verkäuflichkeit in Massen.

So ist in mir tief verwurzelt ein Teil, der sich selbst ermahnt für die Hingabe und das Verlieren in der Zeitlosigkeit.

In der letzten Zeit bewegten mich Männlichkeitskonstruktionen und -bilder. Außerdem stolperte ich zufällig über psychoanalytische Sichtweisen/Interpretationen von Grimm Märchen. Wie aus dem Nichts malte ich heute. Ich liebe es, handgeschriebene Worte zu integrieren. Ich bin Rolf Schanko sehr dankbar. In den künstlerischen Seminaren meiner kunsttherapeutischen Ausbildung setzt er Impulse, die ich bisher immer fruchtbar umsetzten konnte. Schon allein der Aspekt, dass Linien einer Handschrift folgen …

… heute beim Malen war mein Vater im Sinne von Projektionen anwesend und dieser Drang, sich messen und beweisen zu wollen – obwohl die Sehnsüchte nach Langsamkeit, Verbundenheit und sanften Tönen überwiegen. Auf der eher mütterlichen Seite das Funktionelle, was sich aus der Gebärfähigkeit speist.

Ich nutze meinen Unachtsamkeit, um Akzente zu setzen. Ich weiß Papier zu schätzen. Bisher mochte ich nicht auf einer Leinwand malen. Seit Kurzem entdeckte ich für mich die Papierrolle, um mir mein Format zuschneiden oder reißen zu können. Gerade zu schneiden – funktioniert bei mir ohne Lineal nie … mittlerweile nutze ich diese (Un)fähigkeit radikal. So symbolisiert bereits das noch unbeschriebene Blatt eine Zerrissenheit.

Tom Waits „lief“ mir in Halle/Saale über den Weg. Ich war an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein zu einem „Kunstspezialistenlager“ für eine Woche angenommen worden. Ich erinnere mich kaum noch an diese Woche – außer dass ich in irgendeiner Weise überwältigt war und trotzdem nicht müde wurde zu hinterfragen, weshalb ich überhaupt daran teilnahm. An die Band, die Tom Waits spielte und an das Theaterstück des Puppentheaters erinnere ich mich noch sehr gut.

Später studierte ich in Halle/S. Soziologie als zweite Wahl und in meiner jugendlichen Naivität schien es mir vielversprechender (zumindest ließen sich meine Eltern davon überzeugen) für den zukünftigen Brotverdienst. Erstaunt über ein eher diffusen Berufsbild des Soziologen war ich nicht. Ich hatte es erwartet.

Nur heute bin ich erstaunt, dass sich manchmal der Eindruck festsetzt – ich sei mit der Kirche ums Dorf gelaufen und bin mit Mitte dreißig wieder am Anfang. Das Schreiben knüpft daran an. Erst gestern dachte ich erneut an den Drehbuchschreibkurs, weil ich auf Arte eine Dokumentation zu Samenbanken und künstlicher Befruchtung verfolgte, was sich in die begonnene Drehbuchgeschichte von mir als Thema wiederfand – nur für gleichgeschlechtliche Paare … ach und das Thema ist eigentlich total egal … vielleicht ärgere ich mich, dass ich eine Geschichte nicht einfach mal konsequent zu Ende schreibe.

Total schnuppe …. ob nun Drehbuch oder was auch immer … kann ja auch ein Prosatext sein … wenn ich ein Bild male, mache ich mir auch keine Gedanken über die Verwendung.

Ich halte es sogar aus, Bilder nicht zu zerstören. Ich frage mich, inwiefern ich beim Schreiben diesem Drang nach vermeintlich wahrheitsgetreuer Abbildung so wesentlich stärker durch die wissenschaftliche Ausbildung unterliege. Im Sinne – dass ich mir selbst nur die Berechtigung zum Schreiben von Geschichten geben – insofern ich dabei auf eigene Erfahrung zurückgreifen kann. Das ist doch echt dämlich! So verwischen die Welten immer wieder zwischen Fiktion und Realität. Oder ist es nicht sooo dämlich wie ich jetzt gerade wieder denke, weil es zum Schreibprozess dazu gehört und ich lernen „muss“, wie ich beim Schreiben viel stärker meinen Impulsen folgen kann und gleichzeitig eine gewisse Form von Dramaturgie integriere, um weder mich selbst im Erzählen zu verlieren noch abdrifte in Rechtfertigungen, Erklärungen und mundgerechten Stücken, die ich am besten vorkaut habe ….

…. puh … ich will seit Wochen all meine Aufzeichnungen sortieren und ein Notizbuch an mein Bettgestell binden und ein System entwickeln, wie ich Ideen wiederfinde …

am liebsten will ich dann noch einen Comic schreiben, eine Person finden, die illustriert, ein Kinderbuch wäre auch nett, und ein Hörspiel und tanzen und zusätzlich noch ein Ausbildungsmodul zu Regie, mit einer Freund_in Texte und Bilder gestalten zum Thema Abschied und eigentlich kann ich sofort mit dem Schlafen aufhören. Mein Körper soll endlich seine Klappe halten und mir nicht außerirdische Signale schicken, die mich verharren lassen, ob ich nicht doch eine Familie gründen will – die Lohnarbeit lege ich nieder und widme mich nur noch den Ideen, gründe kunsttherapeutische Gruppen, Künstler_innengruppen zum Austausch & Lästern über Vermarktungsmechanismen, die einem den letzten Nerv rauben und und und …

.. so schluß jetzt! – Ende für heute – Ich habe kein Standardformat – so ist das eben, alles krumm und schief – basta!

bernsteinfrau

… und mein kleines wohnzimmer mit eher schlechten lichtverhältnissen wird auch immer voller …

Worte können Bilder malen …

Donnerstag, 02.04.2015

Zurzeit lese ich jeden Tag in einem Buch und manchmal sind es sogar verschiedene Bücher – zusätzlich griff ich zu nach zwei Romanen, die ein wenig warten müssen.

Heute beschäftigt mich wieder das das Drama um hochbegabte Frauen* (ich verwende hier bewusst genderbezogene Pronomen und Bezeichnungen, um Unterschiede sichtbar zu machen, damit ein Hinterfragen und die Suche nach Alternativen und Dekonstruktion möglicher werden). Schon wenn ich den Satz aufschreibe, machen sich Abwehr und eigene Abwertungsmechanismen bemerkbar. Im Herbst des Jahres 2013 hatte ich beschlossen, ich brauche dringend ein Coaching, um wieder etwas mehr Licht in meinen beruflichen Weg zu bringen.

Es ist interessant, wie ich mich selbst täusche. Ich (be)nutze spezifische professionelle Haltung und Erfahrung, um mir selbst eine Form von Nützlichkeit und Berechtigung zu erlauben, die allerdings mit reinem Denken und Reflektieren gar nicht fassbar werden können. Hinter diesem hochgesteckten Ziel stand vielmehr der Wunsch, endlich das Schreiben als einen festen Bestandteil meines Lebens anzuerkennen, zu integrieren und den Mut zu finden, dies offenherzig nach außen zu tragen.

Schon in der ersten Coachingstunde sprach ich über das Verhältnis zu meinen Eltern, so dass „Coaching“ an dieser Stelle lediglich als Brücke zu meinem therapeutischen Prozess, der längst überfällig war, sich schnell wandelte und das berufliche Ziel als eine grundsätzliche Suche nach Sinn enttarnte. Je tiefer ich in diesen Prozess einsteigen, umso mehr wächst in mir die Befürchtung ein eher zurückgezogenes Leben zu führen. Andererseits strafe ich diesen Gedanken als lächerlich ab – es verdeckt die Scham. Und zeigt nur den Teil, der sich ans Licht traut, weil es wohl eher höfliches Mitleid auslöst und weniger Widerstand und Konfrontation mit anderen bedeutet. Grabe ich nämlich tiefer, entdecke ich Stolz und eine Form von Befriedigung, die sich einstellt, wenn ich jeden Tag in Windeseile Silben und Worte aneinanderreihe mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die mich manchmal ein wenig überrascht.

Trotzdem nagt die Unzufriedenheit bzw. die Vorstellung Ungenügend zu sein wütet – das Lesen, Schreiben, die innere Auseinandersetzung sind isolierte Tätigkeiten, die einerseits Zeit in Anspruch nehmen und andererseits Entscheidungen nach Prioritäten im alltäglichen Leben bedürfen. Das Unbehagen bezieht sich auf den fehlenden Familien- und Beziehungsstatus und Fragen nach Austausch und Abkehr von erlernten/verinnerlichten Beziehungsformen, die als Spiegel durch weibliche* Sozialisation an mir kleben – den übertragenden Ansprüchen nicht genügen und dafür einen Preis zu zahlen, den ich vielleicht (noch) nicht bereit bin in Kauf zu nehmen. Oder versteckt sich dahinter mehr der Wunsch nach Bestätigung und Bestärkung durch andere, die dich antreiben, weil es plötzlich wieder Sinn macht, Worte aufs Papier zu bringen?

In der Schulzeit nahm ich an Schreibwerkstätten teil. Ich wurde sogar bevorzugt. Ich hatte es in Gruppen schwer, mich laut zu zeigen. Der Schriftsteller Heinz Kruschel hat mich begleitet. Er schrieb mir Briefe, ermutigte mich und bemühte sich mein Talent für mich selbst sichtbar zu machen. Früh las ich Texte zu den Landesliteraturtagen in Sachsen-Anhalt. Ich traute mich allein, ohne elterliche Bestärkung – und vielleicht fehlte genau dieser Zuspruch, um zu lernen, wie ich Widerstände von anderen nutze und aushalte, damit es gelingt selbständig der Welt zu begegnen – ohne Lehrer, ohne Mentoren, ohne Ratgeber und ohne mir selbst ins Knie Begegnung in mir und  mit anderen als Schlüssel für das kreative Schreiben? 

Mittlerweile gibt es unzählige Schreibratgeber. Ich bin darüber ein wenig verwundert. Damals schrieb mir Heinz Kruschel noch mit Federhalter und Tinte Briefe, gab preis – welche Autoren ihn bewegten und was an meinen Gedichten und Texten ihn berührt und was weniger stimmig ist. Er wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, mir einen Schreibratgeber zu empfehlen. Es ging um Kontakt, Beziehung und Austausch – und dies hatte ich bitter nötig. Durch Heinz Kruschel lernte ich die Autorin Brigitte Reimann kennen, Gottfried Benn und fühlte mich getragen von dem Gedanken, mein eigenes Leben mit Schreiben auszufüllen. Ich sah mich wie Brigitte Reimann, die begierig die Lebendigkeit genoss –

Heute sehne ich mich nach solchen Orten, wie ich es als junge Frau erfahren durfte – ohne diese Facebooks-likes, mit handgeschriebenen Briefen und Begegnungen, die von anderen Autoren, Künstlern, Bildern, Texte, Gedichte geprägt sind – ohne die mögliche Veröffentlichung, den nächsten großen Fang auf dem Buch- oder Kunstmarkt in den Mittelpunkt zu rücken –

Es sind freundschaftliche Bindungen, die Einsamkeit und die manchmal sehr in sich zurückgezogene Tätigkeit des Schreibens und Malens teilen können –.

Immer mal wieder erprobe ich mich. Ringe um eine klare Struktur, der ich im Schreiben folgen will. Wie schreibe ich einen Krimi? Wie erzeuge ich Spannung? Was ist ein richtiger Roman? Wie schreibe ich bloß kein langweiliges Drehbuch?

ich scheitere! Ich sehe vor mir Brigitte Reimann, die auf die Tasten ihrer Schreibmaschine in Hoyerswerda klopft als sie mit ihrem Ehemann und Autor S. Pitschmann dem Ruf der Bitterfelder Wege folgte …

Ich mag die Poesie und weniger die strengen Regeln von Genres und die für mich quälenden Auseinandersetzungen nach Zielgruppe, Publikumsgeschmack und Vermarktungsmöglichkeiten.

Heute gibt es Studiengänge, Ratgeber, Workshops und Coaching – und trotzdem hilft es nicht – denn entscheidend ist (für mich), wie halte ich die Einsamkeit beim Schreiben aus – im Moment des Schreibens sitze ich mir selbst gegenüber, führe innere Monologe, male Bilder mit Worten und reise auf dem Papier – jedoch vielleicht nicht im realen Leben – ich liefere mich der Innenwelt aus und muss im Außen anderen gestehen, dass ich den Abend allein mit mir verbrachte.

Ich schreibe Sätze mit der Hand oder der Tastatur, übermale geht am PC nicht – hier lösche ich. Wie mit einem Tintenkiller, wenn ein Wort nicht schön genug scheint, der angreift und vernichtet.

Es gibt sogar Skriptcoaching – wofür ich vermutlich ziemlich viel Geld hinlegen muss, ohne am Ende zu wissen, wie gehe ich mit Widerständen um – wie setze ich mich für etwas ein, woran ich glaube, während andere vermuten, dass ich versagen werde.

Wer schreibt noch Abhandlungen, Briefe und Essays nur um in den Gedankenaustausch und Kontakt mit anderen zu treten – ohne ein therapeutisches, beraterisches oder erzieherisches Ziel zu verfolgen?

Die innere Vielfalt versus der äußeren Bewegtheit (Fähigkeiten wie Small talk, Reisefotos posten, likes sammeln, immer unterwegs sein, schreiben im zug, am bahnhof, in cafés – nur selten auf sich selbst und reduzierte Reize zurückgeworfen)

Ich lese jetzt Frauenbriefe aus der Romantik – ein Buch, was mir mein damaliger (Lebens)Partner zum 22.Geburtstag schenkte, uns verband das Schreiben und Lesen und uns trennte unterschiedliche, sich widersprechende Vorstellungen und Erwartungshaltungen von Männlichkeit und Weiblichkeit und vermutlich der Nutzen einer Liebesbeziehung, die nicht im gemeinsamen Zeugen, Gebären und Erziehen von Kindern mündet.

Er wählte den akademisch-wissenschaftlichen Weg mit einer akademisch-wissenschaftlich orientierten Frau an seiner Seite und gründete eine Familie* … ich nicht …

und inwiefern ich selbst das Fehlen solcher Entscheidungen als Makel und Stigma betrachte, darin bin ich mir unschlüssig – vielleicht finde ich Antworten in Briefen von anderen Frauen oder woanders oder wo auch immer ….

„Es ist dieses Ringen um ein eigenes Selbst, das einem Menschen Stärke gibt, das eigene Selbst und gleichzeitig den Kontakt zu einer auf vielen Ebenen unwirklichen gesellschaftlichen Realität aufrechtzuerhalten. Aus solchem Ringen kommt auch Freude an der eigenen Lebendigkeit und der des anderen. Indem solch ein Selbst jedoch nicht ein abstraktes Bild eines Image ist, sondern ein Zustand der Verbundenheit mit den eigenen Gefühlen sowie mit denen der anderen, kann es nur bestehen, wenn das Ringen um solche Verbundenheit lebendig bleibt. […] Deswegen ist Lebendigkeit Wandel, nicht Beständigkeit: deshalb kommt Stabilität aus der Fähigkeit, Spannungen zu ertragen; und kein einzelner ist immun gegen die verführerischen Versprechungen einer konfliktfreien Existenz.“ (Arno Gruen aus: Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau. DTV-Verlag, 2009 S. 151)

Anmerkung: Natürlich sehe ich diese Auseinandersetzung nicht so im Absoluten Schwarz/Weiß und in einer Polarisierung zwischen Entweder/Oder und Wertung im Sinne eines Hierarchisieren, was besser oder schlechter sei – dies mag ich mir überhaupt nicht anmassen und unterliegt nicht meiner Einschätzung und Intention. 

wenn ich groß bin, werde ich kranfahrerin!

Dienstag, 31.03.2015

wenn ich groß bin, werde ich ein dinoam freitag treffe ich mich mit anderen menschen, um das thema „masken- und rollenspiel“ – was zunächst auf der metaphysischen ebenen begann, in dem künstlerischen-kreativen prozess eine fassbare richtung zu verleihen –

einerseits möchte ich vorab zu wenig wie möglich vorbestimmen und andererseits geistern verschiedene vorstellungen, was ich gern probieren möchte, in meinem kopf herum. Heute griff zum katalog der ausstellung von ulrike rosenbach. Ich frage mich, wie es wohl wäre mit Menstruationsblut ein bild abzuschließen – der saft von rote beete war interessant – nur weniger dem weiblichen mythos unterlegen – und inwiefern ich mich selbst in form einer performance, die ich auf video festhalte, als eigene Maske nutze, um Unsichtbarkeit in den Mittelpunkt zu stellen und die Wandelbarkeit von körperlicher Präsenz während eine handwerklicher* Aktion vollzogen wird.

Außerdem fragte ich mich, inwiefern es möglich sei, den Ödipus-Komplex fernab von dichotomer Geschlechtlichkeit (männlich/weiblich) darzustellen. Heute beim Kaffee fiel mir ein, dass ich ja Arno Gruen im Bücherregal habe – und ich entschied mich noch mal gründlich das Kapitel „Die Entmenschlichung des Mannes und die Unterdrückung der Frau“ zu lesen.

Nur wie bringe ich all die Fäden zusammen … und weshalb ist mir es so wichtig? Ist die Angst vor der Menopause im Anmarsch, oder sind es die Fragen nach Einsamkeit und an welche sinnstiftenden Lebenszusammenhängen und Familien*konstellationen will ich mich binden? Oder lieber vorzugsweise der dornige Elfenbeinturm mit einer direkten Rutsche in die düsteren Kellerräume? Warum bin ich nur nicht Astronautin geworden?

Ich hänge für freitag meine videokamera erst mal an den Strom … immer schön einen schritt nach dem anderen …

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