Ein Schreiben, was den Schmerz hält …

…. oder ein schreibender Ruf zwischen Leben & Tod

Am Wochenende saß ich das erste Mal in der Runde von Menschen, die sich – so wie ich – eingefunden haben, um sich weiterbildend und selbst-erfahrend der sogenannten „Poesietherapie“ im Prozess des kreativen und therapeutischen Schreibens zu nähern. Manches gibst du preis, manches bleibt bei dir im inneren Dialog und manches muss wirken, bis sich sprachlich Stimmigkeit einstellt, die nach außen drängen will.

In alle Räumen, Begegnungen von Alltäglichkeiten und in den kreativen Ausdrucksvariationen sitzen Abschied und Tod in den Ohren – klingen nach, nerven hin und wieder und wollen in eine kreative Tiefe eintauchen, um mit erneuerter Wörtlichkeit wieder aufsteigen zu können. Selbst in Imaginationenübungen, die den Geist in Farbräume entführen sollten, treten Tote – wie ein langerwarteter Besuch – in den Vordergrund. Sie sind es, die mir Farbe aus ihrer Welt mitbringen. Umgeben von schreibenden Menschen entspringt Klarheit über eigene Ver_ortungen und dass es sich schreibend, einen Zugang oder gar Eingang zwischen Leben & Tod ertasten lässt. So kam es, dass ich, besonders wenn der Schmerz nahezu unerträgliche Stiche auslöste, in die Tasten haute.  Ein digitaler Draht, um Toten immer wieder und wieder neue E-Mails zu schreiben, die ich bewusst durch den Äther des digitalen Nadelohrs schicke, um vielleicht im Durchrauschen zwischen den Leitungsbahnen die Dimension im Hüben & Drüben zu erwischen. Bis es durch ein Bedürfnis nach Papier & Stift abgelöst wurde. Und nun im tagebuch-ähnlichem Schreiben auf dem handfesten Papier richtet sich die Aufmerksamkeit an Tote in einer Überschreibung von Briefen und Tagebuchmitteilungen. In beiden Schreibvarianten trägt  die Verbindungsschnur als  Grundlage von Materialität Worte; Worte – die sich in einen leeren Zen-Raum schreiben, um im Nachhall alle Seelen, die im Übergang zwischen Leben & Tod eigene Wege wandern, ein Mitlesen zu eröffnen.

Frühling

In einem Raum mit dir

Wir liegen und wiegen uns

in der Hängematte innerer Landschaften

Der Atem von außen weht uns innen leise ums Gemüt

Fester verschließe ich die Augen

aus Angst vor dem abgrenzten Raum aus Realität

Dazwischen

nur im Raum zwischen HIER & JETZT

hinter der Dunkelheit der Augenlider

kann ich dich berühren.

Krähen fliegen direkt in das Herz,

was satte Felder vorhält,

damit ihr euch nährt

 – am Fluss aus Blut und Wasser.

Auf der durch-hängenden Matte hockt

ein Schatten von dir

und tagt zwischen den Räumen

bis ich heimkehre,

und den Vögeln frische Körner in ihre ausgehungerten  Schnäbel streue.

 

Die Dorfstraße kehren

Auf dem Land

In ländlicher Weite erfasst das menschliche Auge eine Unendlichkeit des Horizontes. In deiner Erinnerung hausen am Dorfteich die Landeier; jene geborenen Wesen, die im Schoß des Hinterlandes sich sorgenfrei schlafen legen. Dorftrottel, die einst als ihr erster lebendiger Schrei nach dem Abenteuer der Geburt, welcher sich beruhigend auf die wartende Gemeinschaft legte, einen Platz mitten auf den Äckern und Felder erwarben; und blieben. Sie wagten keine suchenden Schritte über die heimischen Mauern.
Im blinden Vorurteil tummeln sich Enge, Strenge, Befürchtungen und Sorgen maskiert in blendenden Erinnerungen. Allesamt streiten um den begrenzten Raum in Gefangenschaft. Unbemerkt fließt der Bach weiter; getragen vom Wechsel der Jahreszeiten über Stock und Stein; unaufhörlich kennt das Wasser seine Richtung. Der Weg führt durch Stadt und Land. Ohne Nachdenken darüber, ob es an jenem Ort mehr zu verpassen gilt als an einem anderen. In menschenleeren Orten umgeben von Feldern, Wald & Wiesen und versunken in die Tiefe des Horizontes berührt der Wind die Nasenspitze.

In ländlicher Weite ein mensch auf sich selbst geworfen und dem, was unaufhörlich wichtig bleibt. Den verblendeten Kopf in das kalte Wasser tauchen, um zu erwachen. In einer Leere an Ablenkungen und Optionen menschliche Widersprüche und Ängste tanzen lassen. Mit nackten Füßen eigene Fußstampfen setzen. Die nächste Flut wird alle Spuren ins offene Meer tragen.

Konfus_was ist ein guter* blog?

wirre Gedanken. Beim Durchforsten des Netzes blicke ich am Ende frustriert noch weniger durch. Es regt sich Widerstand. Also ein guter Blog zeichnet sich durch das permanente Vernetzen und der Netzwerkarbeit aus; klares Thema und letztlich zählt die Verkäuflichkeit bzw. werden Vermarktungsmöglichkeiten der geschriebenen Informationen angepriessen. Wer übersteigt wen mit dem ganzen gegenseitigen – Klicken und Geklicktwerden – nur ganz wenige Sätze lese ich über die Möglichkeit, öffentliche Räume (wie das Internet) als Publikationsmöglichkeit zu nutzen, um sich selbst frei äußern, gestalten und in den digitalen Räumen bewegen zu können. Jene Form der Gestaltungsfreiheit, wo ES sich formt. Unabhängig vom sogenannten professionellen handwerklichen Können, was ohnehin meist mit dem Ziel gelehrt wird, eine breite Leser_innenschaft zu erreichen: Wie setze ich gekonnt Gefühle und Bilder ein, um Spannung zu erzeugen und menschliche Wahrnehmung manipulativ zu binden?

Ich bin genervt. Zu viel stehen Produkt und Erzeugnis kreativer Macharten im Mittelpunkt. Zu wenig Raum und Zeit bleiben für das achtsame Betrachten des Prozesses. Ein Prozess, welcher sich dem Zufall hingeben kann – ohne voraus_eilende Angst vorm Scheitern des Endproduktes.

So. formte. sich. das. gesicht. was. in. der. digitalen. Dimension. augenkontakt. verlor.

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fabelhafte Wesen* _ es schreibt sich selbst_

Sonntag, 21.06.2015

Ich lasse meine blog-schreibübungen sehr schleifen. Und manchmal macht genau das Sinn, da sich in jenen Zeiten der Unregelmäßigkeit die Gewissheit stärkt, dass der rote Faden nicht verloren geht. Selbst wenn die Regelmäßigkeit ihren eigenen Fluss hat. So schreibe ich mit Linien fabelhafte Wesen, die den tiefen Weg des Atems folgen, den Kontakt halten und sich ausdrücken – zaghaft, rasant, brüchig, fragil, klar, punktuell, sanft, mit Nachdruck …

Ein Jahr rauchfrei. In diesem Jahr sind viele Bilder, Texte und Fragmente, die ich bewahren möchte, entstanden. Ganz selten spüre ich noch den Druck und erinnere mich plötzlich an den Glimmstängel, der vermeintlich mir Leben einhauchte. Es war ein Befreiungsschlag. Trotzdem bin ich auf der Hut und weiß, manchmal rollt mensch zu schnell rückwärts den Berg wieder bäuchlings herunter.

… weiter mit Aquarell, Acryl, Pastellkreiden, Bleistift, Tusche und dem handgeschriebenen Worte. So formen sich jeden Tag die Selbstbildnisse. Ich wünschte, ich hätte Flügel. Und im nächsten Augenblick beim Schließen der Augen, die Farben bahnen sich im Rinnsal des Wassers ihren Weg, stelle ich es mir vor … wie es wäre mit einem Gefieder, Schnabel und Flügel, die sich ausbreiten.

Ich habe vergessen, an welchem Tag von den 40. Tagen ich angelangt bin. Der Prozess zählt und der tägliche Kontakt mit meiner ganz eigenen Handschrift und dem Papier.

handmade

Donnerstag, 18.06.2015 | handmade

goldregen im herbst oder der geist in der flasche

Freitag, 19.06.2015 | Goldregen im Herbst oder der Geist in der Flasche

die drei heiligen geister auf dem vulkan

Samstag, 20.06.2015 | die drei heiligen Geister auf dem Vulkan

stimmen im wind betten sich auf taube ohren

Sonntag, 21.06.2015 | Stimmen im Wind betten sich auf taube Ohren

Und im trüben Licht der Wolken entschied ich mich heute für Tee und (über)hörte den Ruf des bokkens, dem ich morgen wieder folge.

Dosenbier am Rhein

Dienstag, 14.04.2015

Bild wird nachgeliefert – ohne Aufschlag

es ist eigenartig. Du triffst Menschen, mit denen du in der Jugend Träume geteilt hast oder zumindest in der jugendlichen Vorstellung von Rebellion und dem Grenzen-sprengen dachtest du, du würdest etwas teilen … und nun erst gestern erwähnte ich, dass ich die Idee, Menschen um die 50 (jahre) seien in der Mitte ihres Lebens angelangt, unsinnig finde.

Denn ich nehme mein Alter (bald 35) und addiere es mit derselben Zahl und nun was soll ich sagen … Mathematik irrt sich nicht .. und dies scheint mir näher an der Mitte des Lebens. Was auch immer die Mitte bedeuten mag. Und heute – gewappnet mit Dosenbier – treffe ich einen Menschen, der mir viel bedeutet hat, und ich sehe graue Haare.

Ich frage mich selbst, inwiefern ich mich verrate. Systemkritik, Kritik am gesellschaftlichen Treiben und die eigenen Zwänge, inneren (vermeintlichen) Notwendigkeiten und Kompromisse, die du zwangsläufig eingehst. Eine Rechtfertigung für solche Entscheidungen gibt es immer wieder.

Beruflich sich gegen wirtschaftliche Zweige zu entscheiden-,  verdient und erhält meist Anerkennung. Jedoch inwiefern bzw. wo beginnt der Verrat? Sitzt dir der Verrat nicht ständig im Nacken und sei es bereits im jenen Entscheidungen, die du selbst zugunsten der Nützlichkeit triffst? nützlich, um sich farben, papier und pinsel leisten zu können – nützlich, um an der basis impulse für veränderungen setzen zu können – nützlich, um nachzuholen was versäumt scheint – nützlich um auszuprobieren, zu kosten, zu testen – nützlich, weil es privilegien schafft? und du weißt, dass es ein pakt mit der nützlichkeit ist, und dieser pakt die gesellschaftskritik in sich auflöst, die so lediglich zur beruhigung des rebellen ihre funktion übernimmt …. wir menschen sind widersprüchliche wesen …

Hat der Verrat bereits zur Zeit des Abiturs begonnen? In dem Moment, wo das Schreiben und der kreative Prozess als Hobby abgewertet worden sind von der elterlichen Sorge um die zukünftige Existenz des Kindes, was in die befremdliche und bedrohliche Welt ziehen will?

Manche Wege kreuzen sich immer wieder und das ist ein großes Glück. Graue Haare wachsen sehen, das ist Glück. Ich bin berührt über die Vergänglichkeit der Zeit und voller Scham über mich selbst, die sich zu oft beschwert über Verdruss und Langeweile – anstatt den Pinsel in Farbe zu tauchen, oder die Finger über die Tastatur wandern zu lassen und darauf zu Vertrauen, dass der Verrat nie so groß sein wird, als dass ich den Blick für das Wachsen von grauen Haaren verliere.

Ich bin gespannt, wie und wann sich Wege wieder kreuzen. Ich liebe Dosenbier! Und ich trauere um den jugendlichen Eifer, den ich viel zu selten exzessiv ausgelebt habe … ich bedauere die weibliche Sozialisation, die so viel verbietet und sich nährt durch Verzicht und Bescheidenheit meist an den falschen Stellen und ich bin froh, um die Fähigkeit mich zu erinnern. Die Erinnerungen über Schamgrenzen sich empor gehoben zu haben, machen mich in der heutigen Nacht lebendig. Kein Haus, kein Auto, kein Kind, kein Ehering, keine Eigentumswohnung …. stattdessen Löcher in den Kleidern, Pinsel mit vertrockneter Farbe, zerrissene Briefe, geschriebene Worte, installierte Lebensphilosophien und gelebter Kummer wie auch Glückseligkeit für den Augenblick.

Was hat es eigentlich mit der Autonomie auf sich? Und wo genau beginnt der Verrat? Ich bin Teil des Ganzes und lebe davon, wie es von mir lebt. Alles im Fluss, wir bedingen einander und schaffen Raum für Neues, oder es wird Raum geschaffen, damit neue Samenkörner ihren Weg aus der Erde ans Licht erobern.

Ein neuer Tag beginnt! Ganz sicher … und es ist an der Zeit für heute die Augen zu schließen.

Kein Teil darf bedeutender sein als das Ganze (Rodin)

CAM00636Montag, 13.04.2015

Müdigkeit. Langeweile in der Regelmäßigkeit überwinden. Sich selbst wiederholen bis der Mund sich zu einem ausgedehnten Gähnen formt. Die große Herausforderung des Alltags, wenn ich mir das Schreiben auferlege.

Ich lese über das „Dramatische Schreiben“ in Film, Theater und Roman. So eben hörte ich, Günter Grass hatte Sorgen vergessen zu werden. Nun wer teilt diese Sorge nicht. Das Verderben, all das Streben nach Unsterblichkeit im Sinne von einmaligen Leistungen, die die Menschheit verändern.

Sind es nicht solche Forderungen, die den Alltag in den Schatten stellen und dabei liegt im alltäglichen Allerlei die Magie? Und wo sind all die Frauen der Nachkriegszeit?

Und ich höre immer wieder von der Generation der „Babyboomer“ und wie steht es um Rassismus? Und wo sind die Menschen, die in der DDR geboren sind? (außer sie versammeln sich in Dresden mit Pegida)

Der heutige Montag endet mit unbeantworteten Fragen. Abschied als Teil des Alltags und die Ungewissheit als treibende Kraft für den nächsten Schritt in den Morgen. Verlassensein und Einsamkeit als Wiederholungen, die eigentlich bitter aufstoßen und in einer Übertreibung von Glückseligkeit ausradiert werden.

Ich widme mich weiter dem Buch und den Kapiteln zur Charakter- und Figurenentwicklung. Zuvor blättere ich im Gedichtband von Mascha Kaléko:

Sehnsucht nach dem Anderswo

Drinnen durften die Äpfel im Spiel

Prasselt der Kessel im Feuer.

Doch draußen pfeift Vagabundenwind

Und singt das Abenteuer!

Der Sehnsucht nach dem Anderswo

Kannst du wohl nie entrinnen:

Nach drinnen, wenn du draußen bist,

Nach draußen, bist du drinnen.

Mascha Kaléko

Ich bemühe mich, mir selbst, meinen Ansprüchen und Talenten jeden Tag gerecht zu werden. Im Alltag. Und mit all meiner eigenen Widersprüchlichkeit und der Versöhnung mit dem permanenten Wandel und der nie müde werdenden Veränderung.

Es findet sich im Malen, Schreiben, und Miteinander!

immer grüßt der Mittwoch!

… auch ohne Bild … bleibt etwas Hängen …

Mittwoch, 08.04.2015

Nur kurze Worte für heute. Anstatt die erste Staffel von „Borgen“ zu kaufen, bin ich jetzt Besitzer_in von „Masters of Sex“ (erste Staffel). Dazu kamen heute Gespräche über den ph-Wert von Intimwaschlotionen (die ich nicht persönlich kenne), gescheiterte Strickversuche, beruflicher Ärger über eine TV-Dokumentation, die ich lieber nicht gesehen hätte … und gestern an einem Tag ein Buch gelesen im Sinne meiner Recherche, wie lässt sich Liebe darstellen …

…. in mir ist eine angenehme Stille. Ich sitze auf meinem Meditationskissen, auf meinem Schoß die Tastatur und der Laptop auf dem Tatami. Ein handgeschriebener Brief war in der Post und selbst der Werbeeinwurf per Email kam an – nur ich habe es schon wieder vergessen, welche Empfehlungen mir unter die Nase gerieben worden sind.

Morgen wiederholt sich der Donnerstag!

Philosophie vom Glashaus …

Dienstag, 07.04.2015

Auf das Buchtitelorakel als tägliche Dosis Werbepost im Emailaccount ist Verlass. Besonders hübsch fand ich den Titel „Vergiss die Kunst. Schreib“ oder so ähnlich … Wie der Zufall manchmal spielt, führte ich ein Gespräch über den kreativen Schreibprozess, ohne den Einsatz von Suchtmitteln wie Nikotin und/oder Alkohol. Während ich am heutigen Tag ganz begierig nach Pfefferminz-Tee bin. Meist trinke ich beim Schreiben Wasser, Tee oder Milchkaffee (mit aufgeschäumter Milch). Ich vermisse die Zigarette nicht. Erst recht schreckt mich Alkohol ab, dem ich so gar nicht im kreativen Flow über den Weg traue. Wobei mir nach getaner „Arbeit“ es manchmal schwerer wird, mich nicht mit Alkohol zu belohnen. Beim Malen verspüre ich erst recht kein Verlangen nach Suchtmitteln. Das ist interessant. War ich vor allem im jugendlichen Eifer überzeugt, dass „wahre“ Künstler_innen eine Sucht brauchen, um als Künstler_innen zu gelten … ja ja die Vorurteile und Stereotype, die sich festsetzen.

Das Bloggen entspricht natürlich mehr einer täglichen Schreibübung, der ich nachgehe um das Schreiben als Regelmäßigkeit zu etablieren. Ich bin gespannt, wie sich mein weiterer Weg abzeichnen wird, wenn ich es wage, den Faden der Geschichte, die ich im Drehbuchschreibkurs begann, erneut aufnehme.

Aus diesem Grund bin ich innerlich im Dialog mit mir. Frage mich weiterhin, was macht für mich eine Liebesgeschichte aus – insbesondere wenn ich den Blick für Diversität von Lebensverläufen als Selbstverständlichkeit integrieren möchte. An welcher Stelle tappe ich in Fallen und wo sind meine wunden Punkte, an denen ich meine zu versagen?

Ebenso bin ich motiviert mit meiner Sprache für eine erzählte Geschichte sehr deutlich, klar und einfach im Ausdruck sein zu wollen. Es ist mir wichtig, eine Zugänglichkeit zu schaffen, die sich nicht selbst erhöhen braucht durch einen vermeintlichen akademischen Ton. Dies wird nicht so einfach, wie es klingt. Und enorm wichtig, um alltagsnah verständlich sein zu können – selbst bei Themen, die möglicherweise bisher gelebte Vorstellungen infrage stellen und dementsprechend Angst vor Ablehnung, Veränderung usw. auslösen …

Ich brauche viel Geduld mit mir. Heute überlegte ich, was der Pudelskern des Pförtner_innenjobs sei – im Glashaus sitzen und Kontrolle ausüben, den Überblick über das Geschehen im Außen nicht verlieren und im Inneren nicht aus Verzweiflung und Langeweile, die Kontrolle über sich selbst verlieren …? Danach strengte ich meinen Kopf an, um mich an Liebesfilme zu erinnern, die ich mag. So spontan fallen mir (erst mal) zwei Filme besonders ein – also so dass ich sie mir erneut anschauen würde … mmmh ist „Die Poetin“ ein Liebesfilm, zumindest ohne happy end? da fängt es schon wieder an .. der Zweifel nippt an der Teetasse …

 

robots oder die gemeine Hausfliege

Montag, 06.04.2015

Mein Wecker war heute auf halb fünf gestellt. Die Geräusche drangen so gegen sechs Uhr ernsthaft zu mir durch. Zu spät kam ich ins Büro und meine Stimmung entsprechend noch genervter als kurz nach dem Aufstehen.

Ich würde sehr gern Frida Kahlo fragen, ob ihr je geraten worden ist, ihre Augenbrauen sich schön zurecht zu zupfen … Manchmal lasse ich mich von Verschwörungstheorien verleiten, es hätten sich diverse robots auf meinen PC & Tablett breit gemacht. Kaum schreibe ich ein paar Gedanken für den blog nieder, bekomme ich von amazon Ratgeberliteratur als Empfehlung zugesandt.

Das nervt! Ich gehöre zu den Menschen, die durchaus Buchhandlungen, Flohmärkte und Secondhand Läden aufsuchen. Außerdem bin ich in der Lage, mich selbst mit entsprechender Lektüre (die bei mir eh immer mehr wird – mir graut vor dem nächsten Umzug) zu versorgen. Bibliotheken sind mir auch nicht fremd.

Und weshalb sollte ich Bücher über das glückliche Führen einer Ehe lesen? Um auf Literaturklassiker gestoßen zu werden wie Max Frisch, Tolstoi, Mann, Tucholskys, Virginia Woolf? Was soll das denn bitteschön? Ich habe bereits im jugendlichen Alter Hermann Hesse gelesen, kannte Böll, Kafka & Co (wer auch immer zum Co gehört)

Nur weil ich Veränderungen an meinem Körper bemerke, der mir scheinbar vermitteln will, besonders jetzt in eine sehr fruchtbare Phase meines Lebens zu rauschen – heißt das nicht automatisch – ich lasse alles stehen und liegen.

Eine andere Buchempfehlung titelt mit der Einsamkeit. Gibt Tipps und natürlich sind Anleitungsübungen dabei … mir geht das so langsam sehr auf den Keks!

Ich lese direkt etwas über die Arbeitsweise von Milton H. Erickson oder hole Michaela Huber, Luise Reedemann, Alice Miller u.a. aus dem Bücherregal – als den 10.000 Ratgeber, der sich wiederholt.

Wie wäre es mal mit Emotionen aushalten und annehmen, dass Einsamkeit ein Teil des ganzen Menschseins ist? Unabhängig davon dachte ich, dies sei eh alles Schnee von gestern – von wegen Singlehaushalte, rückläufige Geburtenrate, verminderte Fruchtbarkeit, Scheidungen, Trennungen, Wandel der Ehe als Institution – die ihre Bedeutung im Sinne der gegenseitigen finanziellen Versorgung (wohl hier auch eher für Menschen, die nicht von Armut, Abschiedung o.ä. betroffen sind) verliert?

All diese Themen habe ich während meines Studiums, was nun zehn Jahre in der Vergangenheit liegt, durchgekaut. Ebenso – ich sah auf 3sat eine Sendung, die über Postmoderne, Punk und Kunst informierte, bin ich überrascht, dass plötzlich Postmoderne sich als Debatte fortsetzt. Ich habe dazu Hausarbeiten geschrieben. Mich mit Zygmunt Bauman auseinandergesetzt, der Postmoderne/Moderne infragestellt und folgerichtig auf den Nationalsozialismus verweist, der innerhalb moderner gesellschaftlicher Strukturen funktioniert hat. Dementsprechend Vergleiche wie Moderne und Barbarei hinken. Hier ein Kommentar von Ulrich Beck http://www.taz.de/!147628/

Und natürlich sind die sozialen Systeme wie Kunst, Bildung, Wissenschaft als Teilsysteme nicht undurchlässig voneinander abgetrennt und abgeschlossen. Sie stehen im Austausch und bedingen einander.

Zudem, was manchmal gern vergessen wird, gab es 1989 gesellschaftliche Umbrüche und sozialer Wandel in ganz Europa. Auch von Globalisierung sprechen wir doch schon eine halbe Ewigkeit.

Anstatt mir Abnehmratgeber (was ich wirklich schon unverschämt finde) als Buchempfehlungen als Herz zu legen, könnte mich Amazon mal informieren, was die Menschen, die heute studieren – sei es Kunst, Politik, Soziologie, Film, Theater – bewegt und worüber sie schreiben, nachdenken und an welchen Utopien und Weltverbesserungsideen gebastelt wird.

Vermutlich sind Foucault, Goffman, Nietzsche, Kierkegaard, Max Weber, Luhnmann, Judith Butler noch so aktuell wie Hesse, Frisch, Kafka, Marlen Haushofer, Simone de Beauvoir, Susan Sontag und trotzdem wird sich der Blick weiten, öffnen und verändern.

Weil sich der Alltag verändert. Ich spreche mit lesbischen Freund_innen, die über eine Samenbank sich ihren Kinderwunsch erfüllen und dafür mehr zur Kasse gebeten werden als heterosexuelle Paare. Parallel gucke ich eine Dokumentation  auf ARTE über künstliche Befruchtung in den USA. Bin überrascht, was heterosexuelle Paare, die bereits Eltern von zwei Söhnen sind -, auf sich bürden, um unbedingt ein Mädchen auf die Welt zu bringen.

Ich brauche keine Dating-Internetportale. Ich bin zufrieden mit meiner Einsamkeit. Hadern, zweifeln, scheitern sind Bestandteile einer Persönlichkeitsentwicklung, die ebenso Beachtung verdienen.

Liebe*, sich einlassen, Zuneigung schenken und annehmen können – sind keine Gegenstände, die ich herstellen möchte -so als inszeniere ich ein Theaterstück. Da schreibe ich lieber, lese über von Tschechow und über die Dramatik des Erzählens.

Ich habe nicht mal mehr Lust und Zeit für Facebook. Und da erinnere ich mich auch … ich war eine mit der ersten, die studivz (existiert das heute überhaupt noch?) zu facebook wechselte. Damals wollte ich unbedingt den Gedanken der weltweiten Vernetzung unterstützen. Denn es gibt einfach zu viele Länder, in denen Öffentlichkeit beschränkt werden. Menschen müssen tatsächlich um ihr Leben bangen und bringe sich in Lebensgefahr, wenn sie sich äußern und vieles mehr.

Ich habe echt keine Lust mehr auf diese Amazon-empfehlungen. Mal sehen, was ich wohl morgen in der Emailpost als Werbung liegt.

Ich schreibe regelmäßig, weil es mir Freude bereitet. Es macht Spaß auf die Tastatur zu hauen. Die innere Auseinandersetzung ist mir selbstverständlich. Hürden, Hindernisse, Hemmnissen werden immer mal wieder auftauchen und hoffentlich schreibe ich bald eine Geschichte mit einem Ende, was mich zufriedenstellt. Ich brauche (aus sehr vielfältigen Gründen) die persönliche, biografische Auseinandersetzung, um in den kreativen Prozess einzutauchen, ohne darin zu ertrinken.

Für Ratgeberliteratur gebe ich mein Geld nicht mehr aus. Lieber Kino, Theater oder einfach eine tolle Serie auf DVD … und verdammt Frida Kahlo hat bestimmt auch niemand gesagt, sie solle sich rasieren oder mal wieder Sport treiben, um schön hübsch für den Diego oder eine andere Liebhaberin zu bleiben …

bernsteinfrau

Krähen fliegen übers Dach

Sonntag, 05.04.2015

CAM00629 CAM00630 CAM00631mit Osterwünschen und der Ermahnung, es würde am Sonntag Schnee vom Himmel fallen, verabschiedete mich eine freund_in ins Wochenende …

… dies blieb mir und meinem Hund beim Spaziergang mit Tom Waits in den Ohren erspart. Grandioser Sonnenschein, der zum Stockkampf oder improvisierten Tanzen auf der grünen Wiese einlädt.

Interessanterweise fühlte ich gestern eine gewisse Nutzlosigkeit, die eigentlich eher wenig den Tatsachen entsprach. Ich schreibe jeden tag ein paar zeilen, male, lese und hinterfrage diese aktivitäten nach sinnhaftigkeit, was völlig überflüssig ist. Es ergibt sich aus dem Prozess, unterliegt eben nicht einer Verwertbarkeit im Sinne von Lohnarbeit und vielleicht ist es genau das, was mich immer wieder hindert. Es ist scheinbar und vergleichbar mit der Hausarbeit und Kindererziehung nicht messbar und folgt keinem marktwirtschaftlichen Prinzipien der Verkäuflichkeit in Massen.

So ist in mir tief verwurzelt ein Teil, der sich selbst ermahnt für die Hingabe und das Verlieren in der Zeitlosigkeit.

In der letzten Zeit bewegten mich Männlichkeitskonstruktionen und -bilder. Außerdem stolperte ich zufällig über psychoanalytische Sichtweisen/Interpretationen von Grimm Märchen. Wie aus dem Nichts malte ich heute. Ich liebe es, handgeschriebene Worte zu integrieren. Ich bin Rolf Schanko sehr dankbar. In den künstlerischen Seminaren meiner kunsttherapeutischen Ausbildung setzt er Impulse, die ich bisher immer fruchtbar umsetzten konnte. Schon allein der Aspekt, dass Linien einer Handschrift folgen …

… heute beim Malen war mein Vater im Sinne von Projektionen anwesend und dieser Drang, sich messen und beweisen zu wollen – obwohl die Sehnsüchte nach Langsamkeit, Verbundenheit und sanften Tönen überwiegen. Auf der eher mütterlichen Seite das Funktionelle, was sich aus der Gebärfähigkeit speist.

Ich nutze meinen Unachtsamkeit, um Akzente zu setzen. Ich weiß Papier zu schätzen. Bisher mochte ich nicht auf einer Leinwand malen. Seit Kurzem entdeckte ich für mich die Papierrolle, um mir mein Format zuschneiden oder reißen zu können. Gerade zu schneiden – funktioniert bei mir ohne Lineal nie … mittlerweile nutze ich diese (Un)fähigkeit radikal. So symbolisiert bereits das noch unbeschriebene Blatt eine Zerrissenheit.

Tom Waits „lief“ mir in Halle/Saale über den Weg. Ich war an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein zu einem „Kunstspezialistenlager“ für eine Woche angenommen worden. Ich erinnere mich kaum noch an diese Woche – außer dass ich in irgendeiner Weise überwältigt war und trotzdem nicht müde wurde zu hinterfragen, weshalb ich überhaupt daran teilnahm. An die Band, die Tom Waits spielte und an das Theaterstück des Puppentheaters erinnere ich mich noch sehr gut.

Später studierte ich in Halle/S. Soziologie als zweite Wahl und in meiner jugendlichen Naivität schien es mir vielversprechender (zumindest ließen sich meine Eltern davon überzeugen) für den zukünftigen Brotverdienst. Erstaunt über ein eher diffusen Berufsbild des Soziologen war ich nicht. Ich hatte es erwartet.

Nur heute bin ich erstaunt, dass sich manchmal der Eindruck festsetzt – ich sei mit der Kirche ums Dorf gelaufen und bin mit Mitte dreißig wieder am Anfang. Das Schreiben knüpft daran an. Erst gestern dachte ich erneut an den Drehbuchschreibkurs, weil ich auf Arte eine Dokumentation zu Samenbanken und künstlicher Befruchtung verfolgte, was sich in die begonnene Drehbuchgeschichte von mir als Thema wiederfand – nur für gleichgeschlechtliche Paare … ach und das Thema ist eigentlich total egal … vielleicht ärgere ich mich, dass ich eine Geschichte nicht einfach mal konsequent zu Ende schreibe.

Total schnuppe …. ob nun Drehbuch oder was auch immer … kann ja auch ein Prosatext sein … wenn ich ein Bild male, mache ich mir auch keine Gedanken über die Verwendung.

Ich halte es sogar aus, Bilder nicht zu zerstören. Ich frage mich, inwiefern ich beim Schreiben diesem Drang nach vermeintlich wahrheitsgetreuer Abbildung so wesentlich stärker durch die wissenschaftliche Ausbildung unterliege. Im Sinne – dass ich mir selbst nur die Berechtigung zum Schreiben von Geschichten geben – insofern ich dabei auf eigene Erfahrung zurückgreifen kann. Das ist doch echt dämlich! So verwischen die Welten immer wieder zwischen Fiktion und Realität. Oder ist es nicht sooo dämlich wie ich jetzt gerade wieder denke, weil es zum Schreibprozess dazu gehört und ich lernen „muss“, wie ich beim Schreiben viel stärker meinen Impulsen folgen kann und gleichzeitig eine gewisse Form von Dramaturgie integriere, um weder mich selbst im Erzählen zu verlieren noch abdrifte in Rechtfertigungen, Erklärungen und mundgerechten Stücken, die ich am besten vorkaut habe ….

…. puh … ich will seit Wochen all meine Aufzeichnungen sortieren und ein Notizbuch an mein Bettgestell binden und ein System entwickeln, wie ich Ideen wiederfinde …

am liebsten will ich dann noch einen Comic schreiben, eine Person finden, die illustriert, ein Kinderbuch wäre auch nett, und ein Hörspiel und tanzen und zusätzlich noch ein Ausbildungsmodul zu Regie, mit einer Freund_in Texte und Bilder gestalten zum Thema Abschied und eigentlich kann ich sofort mit dem Schlafen aufhören. Mein Körper soll endlich seine Klappe halten und mir nicht außerirdische Signale schicken, die mich verharren lassen, ob ich nicht doch eine Familie gründen will – die Lohnarbeit lege ich nieder und widme mich nur noch den Ideen, gründe kunsttherapeutische Gruppen, Künstler_innengruppen zum Austausch & Lästern über Vermarktungsmechanismen, die einem den letzten Nerv rauben und und und …

.. so schluß jetzt! – Ende für heute – Ich habe kein Standardformat – so ist das eben, alles krumm und schief – basta!

bernsteinfrau

… und mein kleines wohnzimmer mit eher schlechten lichtverhältnissen wird auch immer voller …