BANALITÄTEN IM ALLTAG

Kunst(schaffen) _ Gesellschaft _ Therapie

Schlagwort: poesie (Seite 1 von 2)

Die Dorfstraße kehren

Auf dem Land

In ländlicher Weite erfasst das menschliche Auge eine Unendlichkeit des Horizontes. In deiner Erinnerung hausen am Dorfteich die Landeier; jene geborenen Wesen, die im Schoß des Hinterlandes sich sorgenfrei schlafen legen. Dorftrottel, die einst als ihr erster lebendiger Schrei nach dem Abenteuer der Geburt, welcher sich beruhigend auf die wartende Gemeinschaft legte, einen Platz mitten auf den Äckern und Felder erwarben; und blieben. Sie wagten keine suchenden Schritte über die heimischen Mauern.
Im blinden Vorurteil tummeln sich Enge, Strenge, Befürchtungen und Sorgen maskiert in blendenden Erinnerungen. Allesamt streiten um den begrenzten Raum in Gefangenschaft. Unbemerkt fließt der Bach weiter; getragen vom Wechsel der Jahreszeiten über Stock und Stein; unaufhörlich kennt das Wasser seine Richtung. Der Weg führt durch Stadt und Land. Ohne Nachdenken darüber, ob es an jenem Ort mehr zu verpassen gilt als an einem anderen. In menschenleeren Orten umgeben von Feldern, Wald & Wiesen und versunken in die Tiefe des Horizontes berührt der Wind die Nasenspitze.

In ländlicher Weite ein mensch auf sich selbst geworfen und dem, was unaufhörlich wichtig bleibt. Den verblendeten Kopf in das kalte Wasser tauchen, um zu erwachen. In einer Leere an Ablenkungen und Optionen menschliche Widersprüche und Ängste tanzen lassen. Mit nackten Füßen eigene Fußstampfen setzen. Die nächste Flut wird alle Spuren ins offene Meer tragen.

Mit dem Atemzug …

… an der Haut von innen nach außen wandern

img_0092In den Tiefen der Berührung, wohin sich selten Worte verirren, weil im Dickicht verdunkelter Ungewissheiten der Verstand bereitwillig schweigt. Jene grüblerische Suche sich stattdessen sanft und müde auf den Atem ruhend bindet. Das innere Messerschärfen stellt dankbar ermattet die Arbeit ein; von innen ertastet das Einatmen die Haut unter seiner Oberfläche – von außen bleibt beständig der Raum, welcher durch die Erde getragen uns verbindet. Im feucht-luftigen Windstoß sammelt sich auf dem Weg nach außen manchmal maskiertes, flüssiges Blei, was die Kehle im Fluss verbrennt – schweres Herz nimmt Aggression als Teil des Werden und Gehens im Ausatmen an; für den Frieden im Innen (und Außen) braucht es Geduld und einen unaufhörlich langen Atem von Generation zu Generation verwurzelt in einer Entwurzelung;

und immer mal wieder; sich dem Scheitern und Versagen liebevoll in die Arme werfen. Plötzlich ergeben sich klare Worte aus dem Raum, den der Verstand aus Feigheit umschifft.

Atem

Wir leben

von Atem zu Atem

In allen Pflanzen und Tieren

schlägt sein Luftherz

Wir

an sein Dasein gebunden

gehen ein mit ihm

in den Atem der Erde

– Rose Ausländer

eine Vorstellung über eine Vorstellung vom ganzen Menschen

mittwochs –

Angelehnt an die Aufforderung zum Innehalten  von Luise Reddemann (in: „Der Weg entsteht unter deinen Füßen – Achtsamkeit und Mitgefühl in Übergängen und Lebenskrisen“);

Was ist meine heutige Vorstellung eines >>ganzen Menschen<<?

Arme, Beine, Haut, Knochen, Augen, Nase, Mund, Finger, Nägel, Haare, Brust, Öffnungen, Ohren, Gehirn, Blut, Organe, Po – was für eine Frage: was ist ein ganzer Mensch? Ich könnte nun alle Aufzählungen alphabetisch ordnen, um abzulenken. Mich selbst täuschen, etwas Sortieren, beschäftigt sein – statt aufzuschreiben, dass ich ratlos bin.

Ich suche einen Anfang – zu sehr – zu stark – zu sicher!

ganzer Mensch fließt dahin und davon,
hält inne – im Schatten, im Licht
begreift mit den Händen die ruhende Stille.

Im Spiegel begegnet sich das Bild
von mir, von dir, von uns;
eine Drehung um die eigene Achse
durchdringt die Endlichkeit.

Täglich kostet mensch,
trinkt, saugt, säuft
süffisant am Nektar;
ein Gebräu aus sich Selbst*.

Darf sich neu(er)finden; alltäglich
dankbar verwurzelt im Gehen, Wandern, Reisen.
Alles* schmeckt neu; kalter Kaffee
(als) fruchtbares Element zwischen Spannung & Entspannung.

Versöhnung zwischen dir und mir;
Heimat ist kein Ort –
die kugelrunde, mitfühlende Erde hält uns ganz.

Genüsslich schlängele ich auf dem Boden
gemeinsam; mit dem vitalen, roten Faden; –
und lasse (alles) unvollkommen Sein*

Mich und Dich.

mit iPad und Finger gezeichnet

einsame birke

krähen schwimmen Oben

mit iPad & Finger zeichne ich nur mich

Suchbewegungen

03.03.2016

… die sich im hektischen Surfen im digitalen Raum zu Wort melden.

Interessant, wie viele Beiträge und Bücher es gibt, die Regeln zum Bloggen und über das Schreiben innerhalb einer Bloggersphere bündeln und sammeln. Nach den ersten Sätzen über all das, woran es gilt sich zu halten, werde ich (nach einer kurzen Phase des Zweifeln, inwiefern ein Nacheifern für meine Zwecke und Vorstellungen wichtig sein könnte) unglaublich müde.

Wo bleiben die Räume, die sich das Chaos, das Ungewisse, das Ausflösen von Regeln und dem Regelhaften auferlegen – ganz gleich von der Wirkungskraft und Verbreitungspfade der erschaffenden Ergebnisse und Produkte? Die Richtung des kreativ-schaffenden Handelns erwächst aus den (Such)Bewegungen des eigenen Körpers.

ganz im Sinne RAOUL HAUSMANNs: „Vorbei mit der Ästhetik; ich kenne keine Regeln mehr, weder des Wahren noch des Schönen […]“ (aus: Dada empört sich, regt sich und stirbt in Berlin)

sprachlos; ist selten ohne worte

Sonntag, 16.08.2015

und trotzdem meist leise. Manchmal springt nur der leere Satz entgegen, es fehlen die Worte … und manchmal in tieferen Erdschichten baden die verschiedenen Teile des Selbst im Getöse der Sprachgewalt, lassen sich ungeniert beobachten, was deren Freude keinen Abbruch verschafft. Es scheint fast unter Beobachtung laufen alle* zu Höchstleistungen auf.

Neue Erfahrungen öffnen neue Türen, wenn ich den Türgriff fest entschlossen in die Richtung führe, der ich gern entgegen laufen möchte. Sich einlassen auf neue Materialien und dabei seine eigene Sprache wieder (neu) (er)finden. Der Stein hätte mich fast in die Flucht geschlagen. Statt kontrolliert den Stein mit Bewegung zu formen, spürte ich den knallharten Widerstand – dem ich lieber mit Sprengstoff begegnet wäre als mit geduldigem Hämmern. Mittlerweile weiß ich um die Chance – erneut mit körperlicher Präsenz und Energie zielsicher den Türgriff zu führen. Die Beharrlichkeit der Kampfkunst trägt Früchte und zahlt sich aus. In allem wohnt der Anfänger*innengeist; so auch im Stein fühlt er* sich zuhause und lässt nicht locker. Bis das Harte butterweich mit den Bewegungen des Körpers verschmilzt und im Fluss der täglichen Wiederholung;  gesonnt im Licht der Selbstverständlichkeit(en) Gestalt annimmt.

ansichten

In der letzten Woche drehte das Thema „Wider der Eindeutigkeit und das Aufbrechen der Zweigeschlechtigkeit“ Runden in meinem Kopf. Es schwamm im Wasser der weiblichen Sozialisation und der verinnerlichten Mythen und ringt mit jeder Runde, dem entkommen zu können, um sich selbst nicht Steine in den Weg zu werfen.

zweiter_steinUnd prompt liegt ein zweiter Stein zur Bearbeitung bei mir auf dem Tisch. Nach eingehender Betrachtung sprach das Stein_Chamäleon zu mir, was nun zum Leben erweckt werden will.

Zwischendrin führe ich den bokken und freue mich wie eine Schneekönig*in im Sommer, die nach bald vier Monaten Kenjutsu Training plötzlich Serie eins und Großkata eins unterscheiden kann. So lohnt sich auch ein zufälliger Blick ins kleine Schwertbüchlein und was sagt es:

„Was ist nun das ‚Ich‘ des wahren Selbst? Es ist das Selbst, das bereits vor der Teilung von Himmel und Erde existierte und vor der Geburt der eigenen Eltern – vor allem, was geboren wurde. Es ist das Selbst, das nicht stirbt, das Selbst der Ewigkeit. Menschen, Vögel, wilde Tiere und Pflanzen – sie alle besitzen dieses Selbst. Das Universum ist davon erfüllt.“ (aus: Das Tor zur heiteren Gelassenheit. Zen und Kampfkunst, Takuan Soho)

bernsteinfrau

wOrtkArg

Dienstag, 21.04.2015

manchmal möchte ich mit dem duft von frischen espressobohnen in der nase einschlafen. blöd, wenn die dosen leer sind. kein krümel ist übrig geblieben.

Im Frühling ein Mittwoch

IMG_20150415_202308Mittwoch, 15.04.2015

Imagination, die Vorstellungskraft als inneres Übungsfeld für den tatsächlichen Einsatz auf der alltäglichen Bühne und als Mittel der Überbrückung einer Zeit im Mangel.

Der Kuss als imaginierte Handlung bei geschlossenen Augen – die ersehnte Erlösung – das Erwachen – befreit vom Dämmerschlaf – unsichtbare Fesseln gelockert – und einzig durch die Vorstellung einer Berührung von aufeinander treffende Lippen;

das Gesicht als Maske und Maskierung; Lippen geschwungen; rot; weich, schnappen ins Leere,

vergraben im Kopfkissen der Aschenputtelträume

und schnappen wieder nur Luft

Identität verschwommen in Vergangenem und Zukünftigem, brüchig

die Nase versenkt sich in Mutter’s Erde

auf der Spur nach nährender Milch

Das Wechselspiel zwischen Verbergen und Sichtbar-WERDEN

Besessen den Phantasiebildern verfallen – wie den imaginierten Lippen,

die mit einem Kuss all das Unheil

auslöschen und

dich tragen

bis ans Ende der Welt.

Wo Mond und Sonne

verschmelzen

und der Sternenhagel wie Holzspäne

aus den plüschigen Wolken sich sanft über

Mutter Erde ergießt, die für alle Ewigkeit empfängt

Früchte verstreut mit windiger Betriebsamkeit

ein berührender Kuss;

menschliche Körper ergriffen, warm umbettet

in einer gemeinsamen Lache aus Wasser.

Quellen, die den Durst stillen und

Gesichter formen zu Masken aus rötlich schimmerndem Ton,

Personen werden erbaut und

Kinder backen aus Sand ein Haus!

Kein Teil darf bedeutender sein als das Ganze (Rodin)

CAM00636Montag, 13.04.2015

Müdigkeit. Langeweile in der Regelmäßigkeit überwinden. Sich selbst wiederholen bis der Mund sich zu einem ausgedehnten Gähnen formt. Die große Herausforderung des Alltags, wenn ich mir das Schreiben auferlege.

Ich lese über das „Dramatische Schreiben“ in Film, Theater und Roman. So eben hörte ich, Günter Grass hatte Sorgen vergessen zu werden. Nun wer teilt diese Sorge nicht. Das Verderben, all das Streben nach Unsterblichkeit im Sinne von einmaligen Leistungen, die die Menschheit verändern.

Sind es nicht solche Forderungen, die den Alltag in den Schatten stellen und dabei liegt im alltäglichen Allerlei die Magie? Und wo sind all die Frauen der Nachkriegszeit?

Und ich höre immer wieder von der Generation der „Babyboomer“ und wie steht es um Rassismus? Und wo sind die Menschen, die in der DDR geboren sind? (außer sie versammeln sich in Dresden mit Pegida)

Der heutige Montag endet mit unbeantworteten Fragen. Abschied als Teil des Alltags und die Ungewissheit als treibende Kraft für den nächsten Schritt in den Morgen. Verlassensein und Einsamkeit als Wiederholungen, die eigentlich bitter aufstoßen und in einer Übertreibung von Glückseligkeit ausradiert werden.

Ich widme mich weiter dem Buch und den Kapiteln zur Charakter- und Figurenentwicklung. Zuvor blättere ich im Gedichtband von Mascha Kaléko:

Sehnsucht nach dem Anderswo

Drinnen durften die Äpfel im Spiel

Prasselt der Kessel im Feuer.

Doch draußen pfeift Vagabundenwind

Und singt das Abenteuer!

Der Sehnsucht nach dem Anderswo

Kannst du wohl nie entrinnen:

Nach drinnen, wenn du draußen bist,

Nach draußen, bist du drinnen.

Mascha Kaléko

Ich bemühe mich, mir selbst, meinen Ansprüchen und Talenten jeden Tag gerecht zu werden. Im Alltag. Und mit all meiner eigenen Widersprüchlichkeit und der Versöhnung mit dem permanenten Wandel und der nie müde werdenden Veränderung.

Es findet sich im Malen, Schreiben, und Miteinander!

windSTILL

CAM00623

leer

wie ausgelaufene tinte

die sich durch die betonritzen

ihren weg ebnet

es ist windstill!

bernsteinfrau

samstag, 04.04.2015

stinknormaler mittwoch – schreibgehilfeALFmeldetsichzumdienst

01.04.2015

IMG_20150401_222301

einspluseinssindzwei pluseinspluseinssindvier plussiebzigtausend.sind unzählbar-langweilige zahlen.-am schafshimmel regnet es rosenblätter die dornen sind stumpf das blut vertrocknet in den-krampfadern—->>>bisderkopfganzleerzustaubverfällt!

Warte ich hole schnell einen lampen ….

….fahrstuhlistausgefallen.nimmdietreppen.

am besten zwei stufen auf einmal. passauf.

fallnicht.—–schneller wir kommen zuspät. was jetzt schon aus mit der putze. was soll erst mit dir werden…..

wenndusoaltbistwieich….

altwerdeichnicht.ohjemineeee gefühle zulassen und aushalten. nahsichselbstbleiben-ganz leise wippender kopf im takt der melancholie-nochnichtsatt.ungenügend gedient am hellerlichten tag.nichteinschlafen. duverpasstdeinen!!!zug.

woistdeineuhr.!!!!

hast

du

den herd

ausgeschaltet.

der vogel aus dem käfig ist längst ausgebrochen………derbrauchtkeinfuttermehr.

lassdas.

…warum kennst du kein gutennachtlied-

schließdochnichtimmerhinterdirdietür-

wir wollen nur teilhaben

-warumbistduimmersoanders-

washabenwirdirnurgetan-schlafjetzt-

sonst kannst du morgen nicht fleißigsein-ruhe-wirklich-

jetzt ist es allerhöchste eisenbahn! hast du auch ordentlich

deine kleidung gefaltet.damit-

wennnachtswaspassiert-du schnell alles wieder findest?

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