Ohrenrauschen

Geschlossene Gesellschaft

Daumen drückt überrascht Mutetaste

auf der Fähre

zwischen dir und mir

legt sich getragenes Licht

auf unsere Nachthelligkeit

Mit der Wolkendecke

ungelebter Sehnsüchte

erinnert –

überschlagen sich Bilder in meinem Kopf

aus Phantasterei projektiver Filme,

die unvollendet ein Heraustreten auf eine fassbare Leinwand

tunlichst meiden, um schneller zu sein, als alle Schreckgespenster,

die auf der Jagd nach Wertsachen, außerhalb genormter Tempolimits eiliger

als alle Teufelsbanden zusammen unter Vollgas mich überholen wollen.

Im Schatten bodenloser Träumerei

fährst du seit Monaten neben mir im Auto Kreise

zwischen Ungewissheit gibst Du neues Zuhause

verbunden in Seelenruhe

taucht dein Schweigen in meine Tiefe

verborgen balancieren meine Füße auf den Platten(bauten)

drohender Erdbeben aus behaglicher Stille

lösen sich weiße Steine alter Weisen

und platzen in das Zentrum vertrauter Routine

Zerrissen zerreißt es Gewissheiten mit dir

Hand in Hand

blättert in versteckten Fotoalben vergessener Illusionen

reise rückwärts in die Zeiten erster Verliebtheiten

schlage hart zu den verrutschten Buchband, der entstaubt

offenbart, was ich war.

Grenzen überschritten, um getrieben vom Windhauch

fliegen zu lernen,

während an den Fußsohlen verzweigte Wurzeln wachsen,

Grenzen aufgelöst, um auf den Flügeln kommunistischer Friedenstauben

frei Sein zu lernen,

während leise – hinterm Rücken misstrauischer Augen –

sich Freund und Feind versöhnen.

In einem verlassenen Pappkarton thronen Barbie und Ken,

und zwischen Kinderspielen rutscht Peter Pan

in den Nebel aus Erinnerung

die Ruhe nach dem Sturm

schreibt Spuren in die Wolkenschicht:

im Werden zwischen 20 und 30 verloren abgedriftet

drunken and lost

am Seil vom Rettungsanker wehte immer nur eine Fahne

gestickt aufgeschrieben:

lauf dem Leben von Simone de Beauvoir & Satre entgegen

und nie in die Zugrichtung

von Barbie & Ken.

gewagt und abgetrieben

im Meer von Chaos

bleiben oder gehen

mehr gewollt ~ mehr geliebt

gehen UND bleiben

Mit deinen Liedern im Ohr

Türme bestiegen

und im Sturzflug hinter den verschlossenen Augen

Konturen von morgen ausgemalt,

die beim Eintreten in Realitäten

auf den Boden ehrlicher Tatsachen

abprallen ~ aufgepralltes Herz

entpuppt sich unter entschlossener Lupe als Schmetterling

Die ruhelose Nacht zählt Schafe, auch die Schwarzen ~

meine Sammelwut lässt sich kaum abbremsen

im Strudel ungeschriebener Seiten

tönt meine unbeherrschte Gier, die mich in die Dunkelheit drängt,

um den Mond einzufangen, den ich dir im Zuge eigener Schranken

ohne Brieftauben nicht zeigen kann.

Beim Aufstehen der Sonne

höre ich deine Schritte im Sand,

die nach Landung der Regentropfen

in mein Bauchgefühl einziehen.

Rasend infiziert von Besessenheit

(I am a foul of love)

verschwimmen die Schnappschüsse zwischen Fensterscheibe und mir

Herz packt Laufschuhe ein und rennt

rennt

außer Atem

ein

und

aus

atmen

vogelfrei

pisst

der freche Spatz

auf den Frostbrand deiner Coolness

Ich

steuert

die Überflutung

in meinem Schneckentempo

während sich das Haus auf dem Rücken

federleicht im sommerlichten Baumschatten in den Schlaf singen lässt.

Unendliche Geschichten

enden im Mondlicht

heulender Wölfe

Erinnerung

wie Treibholz,

was nie untergeht

~ selbst bei Atemnot ~

steigt der Kopf auf,

das Herz im Schlepptau,

was den Kopf zu sich zieht.

Im Mondlicht tanzt meine ertrunkene Liebe für dich;

das mondsüchtige Licht spiegelt sich flüsternd auf dem Meer,

im Windschatten deines Rückens webte ich vergebens am Netz

aus Strickmaschen zwischen Heimat und Nach-hause-kommen

Entferntes Meer

trennt unsere Geschichten

in untergründiger Verbundenheit

überspringst du mein (Herz)Klopfen

Geschlossene Gesellschaft.

Ich

fährt

über

die

ungelebten

Spuren

liebe

bleibt

ungeliebt

es

geht.

Weiter!

Das

Meer

bietet

(ausgeschlagen)

Leben.

~ Überlesen ~

Ich

geht

weiter

Ich

bewahrt

den

Sand

in

den

Schuhen

auf.

Fortsetzung ~ es setzt sich fort

Wanderfliege auf Tatami

Wanderfliege auf dem Tatami

brennender Sommer

reizt

staubig

zerberstend

unsere lachenden Münder in den Abgrund der vergehenden Minuten

unserer Zeit, die im Rausch zwischen Nebel und Bachfluss zerrinnt

derweil

eine Stubenfliege

wandert

Wabe

um

Wabe

– trittfest

die gefädelten Insektenbeine

lancieren

gekonnt

auf

der

lebenserfahrenen

Strohmatte

eine kilometerschwere Schnur

wetterfest

wetterbeweglich

das gefächerte Seil

innewohnend

inniglebend

verdrehte Schlange

spirallenförmiges Auf und Ab

innerer Wendungen

verlaufende Richtungen, die sich auflösen im Wechsellicht von Mond und Sonne

Irrgärten ~

entpuppte Schlangenhäute an den Rändern aus Zunge und Schlusspunkt

stumm

wandert

gewöhnliche

Fliege

in

üblicher

Gangart

über

den

heiligen

Boden

für

jedermann

geeignet

auf

~

ab

Fragment

Spiel der Masken

Die Nacht bricht

ihre Scherben in

winzige Mosaikstücke

es sammelt sich im Trauerfluss

spitzfindig Reibung am unterem Ende

des Tages –

all das Lachen ausradiert

bleich schraubt sich der Magen

um die Leere

Krämpfe entziehen dem getigertem Kater

die letzten Tropfen Lebensenergie

Stilles Leeren bricht

über dem eingebildetem Feuer

Panzerglas in winzige Risse

zwischen uns

gibt es nichts

nichts war

nichts ist

nichts wird Sein

im Spiegel spiegelt

sich ermattet mein

Spiegelbild von mir

im Spiegel ein Spiegel ohne dich

Rausch & Obsession

Offenes Gewahrsein beim Fotografieren

Wie kann es gelingen? Gelingt es?

Eigentlich löste alles um die Thematik „Fotografieren“ bisher bei mir betonharten Widerstand aus. Dabei spielte es weniger eine Rolle, ob ich nun vor der Linse posiere, oder inwiefern ich es bin, die den Auslöser abdrückt. Gut, wenn es darum ging wählen zu müssen, bevorzuge ich wohl den Raum hinter der Kamera. Vor der Kamera  – mit dem Ergebnis eines Bildes, was ein anderer mit mir gemeinsam betrachtet im Gegensatz zur einsamen Morgensequenz vor dem Spiegel – hüllte mich in eine unangenehme Unbehaglichkeit, der ich gern aus dem Weg gehe.  Zudem es existieren genügend fotografische Bilder in der Welt. Weshalb zu der ohnehin kaum fassbaren Datenmasse noch weiteres Gewicht auf die Waage der Masse an Bildern legen?

Umso erstaunlicher ist, dass ich seit April durch die Gegend wandere mit einer Kamera, welche den Weg zu mir fand – eher so wie die Jungfrau zum Kinde – unerwartet. 

Mit jedem weiteren Ausflug, der begleitet war vom „Zücken der Kamera“ und dem Produzieren von neuen Bildern verstärkte sich ein inneres polarisiertes Spannungsfeld zwischen „Jagen & Sammeln“. Mittlerweile besitze ich innerhalb der sehr kurzen Zeitspanne bestimmt über 2000 geschossene Fotos – und ich fragte mich sehr ernsthaft, wo soll das hinführen, wenn sich Jagdtrieb und Sammelwut komplementär intensivieren? 

Zwischen Obsession und Rausch entstanden eine Flut an Bildern, die mich zusätzlich zu den ungewohnten inneren Prozessen vor die neue Herausforderung stellen, mich dem Löschvorgang zu widmen. 

Rundum schien ich in einer unerwarteten Komplexität schier zu ertrinken. Gedankenfetzen geisterten zunehmend unbeantwortet in meinem Kopf:

Wie verzerre ich durch die digitale Linse die Realität? Wie werden durch den Menschen hinter der Kamera Emotionen der Betrachter_innen gelenkt und gesteuert? Was sagt es über mein Gemüt, welches sich von einem Motiv nicht lösen kann und stattdessen unzählige Male den Auslöser festhält, um den perfekten Moment konservieren zu können? Wie lasse ich mich in die Vorstellung fallen, das wiederum die Bilder anderen gefallen? Wie beeinflusst das Bedürfnis, gesehen zu werden und gefallen zu wollen, die Suchbewegung nach dem Motiv? Aus welcher Perspektive bewerte ich ein Bild als „gut“ bzw. „du darfst bleiben“ oder als „schlecht“ bzw. „du musst leider gelöscht werden„? Was halte ich fest? Was lasse ich los? Wo zoome ich nah ran? Was fange ich aus der Distanz ein? In welchem Augenblick entscheide ich mich für ein Scharfstellen oder für ein Verschwimmen der Konturen? Wie kann ich Dissonanzen im Bildaufbau, Komposition und Farbenspiel halten? D.h. gelingt es die Betrachtungsebene von einer eher einfach gehaltenen Gefalllust auszublenden? Zugunsten der Erforschung des Prozesses, nämlich wie treiben das Äußere, das Außen die innere Bewertung und das Innere an? Werde ich mir meiner eigenen verinnerlichten Ästhetik gewahr? Wo schweift der Blick ab? Wo driftet der Geist im Rausch des Festhaltens und der Suche nach Unvergänglichkeit ab? Und all das Jagen & Sammeln landen verirrt im eigenen inneren Sumpf zwischen Ideal und Unzulänglichkeit und dem Spiel zwischen Vergänglichkeit & Ewigkeit?

Als wäre es nicht genug Aufregung für das Gehirn: Ertappte ich mich dabei, wie ich hilfreiche Hinweise über technische Möglichkeiten der digitalen Kamera zwar hörte und auch einforderte als Ratschläge von erfahrenen „Fotomenschen“, aber alles Gehörte sofort vergaß. Mittlerweile ist an mein Bewusstsein eine weitere konfliktreiche Achse gedrängt: Nämlich eine neue Sorge öffnete sich: mit zunehmenden technischen Informationen das intuitive Gespür zu stören bzw. in den Hintergrund zu drängen? 

Ein Umschwenken auf analoge Fotografie ist ausweglos und wird ein romantisches Klingen in den Ohren bleiben. Nachdem ich mich ganz und gar reinfallen ließ, hieß es reguliert den Fokus neu zu einzustellen. Nur wie?

Wie der Zufall es wollte, half der Austausch und das Offenlegen meiner neu nach oben geschwappten Obsession. In der Welt war ein neuer Versuch namens: sich selbst „auszutricksen“. 

Eine neue Challenge war geboren: 

Ich darf pro Ausflug maximal 10 Fotos schießen? 

Selbstverständlich scheitere ich an mir. Erkenne weitere neue Züge, um das eigene gesteckte Ziel zu umgehen und mich dem Rausch hingeben zu können: Ein Foto mit dem Handy zählt natürlich nicht als Foto, oder? Und plötzlich mit dem Ziel, maximal mit zehn Fotos zuhause anzukommen, gelingt plötzlich das Löschen sogar ganz unmittelbar zwischen Feld & Wiesen ganz leicht. 

Alles fühlt sich an, als wäre ein Fenster im Inneren aufgestoßen worden, was zwischen weichere Regulation und spielerischen Grenzen verbindet. Die Blickrichtung ändert sich: Was macht das Fotografieren mit mir? 

Zwischen dem Jagen und Sammeln existiert ein weiterer Raum, der beide Pole verbindet und nicht trennt – das sich Gewahrwerden und Gewahrsein – ein Erinnern an Achtsamkeit und Meditation. 

Sich selbst vom Motiv und dem Wohlgefallen der Betrachter_innen lösen:

„Wir beginnen zu blühen. Manchmal erleben wir dieses Gefühl des Blühens ganz spontan: beim Anblick eines Sonnenuntergangs oder der Kraniche, die über den Himmel ziehen, in der Gegenwart eines neugeborenen Kindes oder eines jungen Hundes. (…) Wir sind präsent in dem Moment, so wie er ist. Es ist ein Ankommen. Ein tiefes Gefühl von Erfüllung, das unabhängig von äußeren Gegebenheiten existiert. Wir spüren:

Wie es ist, ist es.

Wie es ist, ist es genug.

Wie es ist, ist es vollkommen.“

aus: „Die Wellen des Lebens reiten. Mit Achtsamkeit zu innerer Balance“ Linda Lehrhaupt, S.38 Kösel-Verlag

Beim heutigen Spaziergang gab es die Begrenzung von sechs Fotos (mit kleinen Löschtricks habe ich bestanden. Es wird entspannter.).  Ich bedanke mich von Herzen bei Cuoredelleone, dass das Fotografieren einen Weg durch die anfänglich skeptische „Betonmauer“ zu mir fand.

wörtliche Kritzelei

rosegarden

Personalmangel

Geist klebt am Schlaf

Zwischen dem Raum von Leben und Tod

Missklänge harmonisieren das Gleichgewicht in Schräglage

purpurrot

Kastanie

stumpfes grün

abgestandener naturtrüber Apfelsaft

Rastlosigkeit

Nabelschnur

Schutz

Diamanten

Plastik

genügsam

ranziges Fett

künstliche Rolle scheinbarer Liebesangelegenheiten,

die an der Kante

an der Oberfläche

der eigenen Hautschicht

abprallt.

Lichtstrahlen

prahlen unscheinbar

Wachs

in

Formsprache

pumpendes Herz schläft im Rhythmus der Wellen

Schreib‘ ein Wort!

Automatisierte Lebendigkeit

Autokorrektur

Konstante

Elan

Zaubertrank

Schnürsenkel

zugeknöpftes Fühlen

auf dem Treppchen höher steigen, sobald das Herz ein Organ als Objekt begehrt.

Ich bin durch Dich

Das Ich objektiviert das Du

in Relation zum Weltgeschehen

Wir bleiben stumm

Rosengarten im Urwald der Nacht

wörtliche Kritzelei

Leave behind // Wolkenwandler

i don‘t care anymore

step behind

step past

step inside without fearing yourself

and

i don‘t care anymore

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

die vorgefertigten, zugeschnittenen Folien vor deinen Pupillen

drängen nicht mich in Enge,

die dröhnt aus vergilbten Zeiten vergessener Unsichtbarkeit.

***

seelische Realität wächst, gedeiht im Raum

zwischen Ich und Du

lasse nichts platzen auf deinem fragilem Selbst

dancing on my own

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

eine trügerische Putzaktion unter ausgefallenem Licht

scheint es glatt richtig

verloren zu gehen

zwischen

plus und minus

kalt und warm

fest und flüssig

***

in der Symmetrie lebt ES sich asymmetrisch

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

entblättere meinen Körper

entzerre//öffne//stimme ein// bewege // kreisförmig

bemerke lustvoll die Pause zwischen

Anfang und Ende

ein Atem

atmet aus

all die aufgesetzten Spiegelschichten

atmet ein

grounded growth

grounded fields

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

es wandert längst mit mir

Hand in Hand

auf den schmalen Pfaden zwischen

Wolken und Horizont

***

lange Weile

öffnet Verschlossenheit

es kümmert mich nicht

dein Blick auf mich

es wandelt längst mit mir

in transzendierten Zeiten

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

beackern Körperflächen bis auf den Grund

geschwungener, resonanzgeräumiger gerippe

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

einzig//artig//selbst//wert//schöpfend//

augen//innen//und//außen

dein blick fängt mich nicht

drängt nicht mich hinter die Gitter

deiner augenblicklichen Sehhilfe

***

I don‘t care anymore

falling free

and

holding me

by myself

dancing on my own

dancing on my own

losing my love

in the song of

my holy uterus

***

es kümmert mich nicht

dein blick auf mich

längst übertönt

schwingt//pulsiert//überstimmt

holy uterus

– hör auf zu füttern

gefräßige magenräume

mit durchlässigen wänden –

kümmere dich nicht

***

falling free

and

holding yourself

losing your greatful love

while you dancing with all your own shadows

under your lighting

singing

holy uterus

***

kümmere dich nicht

um mich –

falling free

by your own.

Leave yourself behind

***

– being in life –

– being in love –

***

I don‘t care anymore

Leave you behind

without fearing

falling free.

***

– being in life –

– being in love –

Elfchen – eins – zwei – drei –

eins

Friedvolle

Weiblichkeit atmet

grau verhangenen Himmel

besänftigt durch schnarchendes Vogelgezwitscher

kastanienbraun.

zwei

Berauscht

schwebt die

Qualle auf Sturmhöhe

gleichmütig vertraut eine Familie

sein.

drei (ups doch kein Elfchen)

Stiller Winkel

Worthülsen den Straßen nach

im Abstand zwischen Ost und West

liegen erschöpft Kriege wach.

Randnotiz zum zweiten Todestag im Mai

Ohne große Mühe

– ohne große mühe

erblicken meine Augen

am absatz der ersten stufe

hinauf zur tür, die einst zu dir gehörte

und nun

mich täglich begrenzt

zwischen der welt draußen

und der welt aller intimität hinter den fenstern,

die weiterhin ohne Gardinen ihr Licht nach innen tragen.

 

 

– am absatz der ersten stufe

hinauf zur tür, die einst zu dir gehörte

und nun

sich mir täglich öffnet und schließt,

erblicken meine Augen

ohne große mühe

Vergiss-mein-nicht

 

 

sich selbst gesät

ohne mühe

blüht es

beharrlich

ohne Aufwind

ohne Plan

verwehter Trost,

der unsichtbar auf den zarten Blättern

sich selbstlos zu mir ins Augenlicht gesellt.

 

 

Auf Zehenspitzen ertaste ich

den Boden, den ich täglich

übergehe,

um mich fast lautlos

neben das unverhoffte Glück zu setzen.

 

 

Auf der ersten stufe,

hinauf zur tür, die einst zu dir gehörte

und nun

meine Augen zufällig

über das Vergiss-mein-nicht

fielen, ruhe ich.

Horche auf das Rauschen,

was sich verteilt zwischen Welt und mir.

 

 

Auf der ersten stufe,

hinauf zur tür, rufe ich

und nun

ich bin jetzt hier; und du?

warst mal neben mir.

 

Was bleibt?

antwortet es aus den Stängeln,

deren grün in der Dunkelheit der Nacht verschwindet.

Direkt in einer geraden Linie oberhalb der ersten stufe,

hinauf zur Tür,

reihen sich Sterne ein

in meine Blickrichtung,

die den roten Faden im Auge behält.

 

Was bleibt?

Hallt das Echo

ins Gewissen.

 

Vergiss-mein-nicht

starrt/glotzt/geifert/blinkt

mir frech mitten ins Gesicht.

 

aus sich heraus gestreut;

ohne mühe,

was bleibt,

ist geblieben.

Was geblieben ist, das bleibt.

Ohne mühe

warst du neben mir

ohne mühe

bei angst erreichbar/ im streit präsent/durch Museen gepirscht/im garten gewütet/herzen verschenkt/Linien verbunden/ Seelen getragen/ schmerzen erduldet/ belesen mit sinnen/schlangen versöhnt/Dämonen besänftigt/getanzt/gesungen/vergeben/geweint/ arme geöffnet/Tür nie verschlossen/ bereit zum Absprung/ohne Arzt und Apotheker/gewagt mit allen Risiken/ beharrlich getrotzt/ schön im Kleid mit roten Lippen / schön mit blue jeans und cowboy-hut/männlich/weiblich/jean und jeanne/stets Benzin im tank/vorbereitet für die flucht/ Katzen betrauert/Geliebte begraben/Hund behütet/geboren im Krieg ohne Halt/ weise gelebt/wild geliebt/tusche aufgebraucht/Pinsel aufs Papier geworfen/kreise geschlossen/neu aufgebrochen/Lehm geformt/sich getraut, immer wieder aufzuwachen/gelacht/glas zerbrochen/geschnitten/geflickt/Medizin gesammelt/Herzschmerz geröntgt/Salbei geweiht/Trost verteilt/den kleinen jungen an meiner Schulter beweint/und wieder gesungen, gelacht und getanzt/auf den Flügeln von Krähen/erbittert verziehen/gewürdigt den schatten/eingetaucht ins licht/Landschaften beseelt/Fremde bezogen/Dörfer belebt/

erinnerst du dich?/eine junge frau mit Hund und dein rotes, lebendiges herz in meinen Händen,

– in der schale meiner Handflächen wohnt es ohne mühe –

es bleibt, was geblieben ist.

ohne mühe

wage ich den Absprung

Tank immer gefüllt

stets bereit zur Flucht

nehme Abschied an die Hand

lasse fliegen

dein Herz

 

ich bin bereit.

Mit der Gewissheit

nichts bleibt,

was nicht wie von selbst – ohne große Mühe – geblieben ist.

Vergiss-mein-Nicht

erinnert mich.


Nur für Papageno – especially For You

MIT WORTEN TANZEN

Im Fluss der Melancholie

Orte, wo Himmelswolken brechen,

überfallen werden all jene Wanderer,

die entwurzelt an sich selbst

überfliegend; ohne Gruß

vorbei verwischt

geflüchtet

rennen

Eingedeckt

ummanteltes grau

vernebelt entrissen

den glücklichen Zeiten

schwerelosen Lachens

unvergessenes Vergessen schleicht

schwimmt in den Blutbahnen menschlicher Organe

mitten im Fließen

aller wilden Bäche,

die ziel-bewegt allen Risiken

brodelnder Vulkane strotzen

aschbleicher

vergangener

Lieben

bewegen sich unsere Worte

im (digitalen) Netz verbundener Klagelieder

verdichten

Entfernungen schwinden

zwischen uns

Einsames, unerschrockenes Suchen

erkalteter Bilder verlassener Kinder,

die irren im Märchenwald.

Fingerspitzen; ausgestreckt windesflüsternd

geben sich hin

kosten aus

das Baden in den Wellen

unserer Traurigkeit,

die sich verbindet

in der leeren Schlafens-Kuhle; Raum neben dir und mir

Süßliches Schweigen vertrösteter Münder,

die nach verbrauchter Luft schnappen,

um sich nach verwundeter Treibjagd

über Wasser zu halten.

Verschlossenes Sehen berührt schüchtern

wortreiche Hautoberflächen

impulsives Phantasieren tiefschürfender Liebe

geborgen im weiten Meeresspiegel fließender Gegensätze

dunkles Rosa färbt tiefe Stimmen rot

Schneckenhäuser gehen einzeln fort;

verkrochene Zeit erstarrten Stillstandes

Fährten gekräuselter Scham ausgewaschen unterm Regenschauer

Nach getaner Arbeit; geleertes Lüften verhangener Horizonte –

schmiegen die Worte; tanzen

an unsere natürlichen Körper

gerettet über Kilometerweit entfernte Pfade

kurz vorm Kälteeinbruch herzentsagter Einsamkeit

erreicht mich

deine Antwort

und ich antworte

du antwortest mir,

so wie ich dir.

Melancholie im Frühlingserwachen

Melancholie im Frühlingserwachen

wohin schwimmt das Verlassen-Sein bei Ebbe?

Flecken fallen zufällig durch eine behäbige, verpatzte Bewegung ins perfekt geplante Bild, was das Untertauchen im blauen Trauerfass tunlichst meidet.

Auf der linken Seite schielender Augen sieht alles schön aus, sagst du.

Altrosa verweigert sich dem zehnten Waschgang. Verschmilzt tragend mit den Linien der Handinnenflächen.

Da kannste schrubben, wie du willst. Das wirst du nicht mehr so schnell los, to myself

Woran, um Himmelswillen, bemerkt man(n) die Verliebtheit eines Regenwurms? Fährtenlesen for Dummies leichtgemacht. Der Frühling schreibt dieses Jahr Narben in die auftauende Wintererde.

Gefall‘ ich mir mit Honig auf Zunge?, denke ich, dass du denkst.

Es zählt sich schwer die Artenvielzahl von (Eintags)Fliegen, wenn der Mond an der Kette des Selbstüberwachungsmodus abgehalten wird, den Taschenrechner beiseite zu legen.

Du willst es? Du kriegst es!, beschwören naive Freunde.

Spiel‘ mir dein Herz; lila-violette Stiefmütterchen strecken ihre Tentakeln gen das Sonnenlicht, bis die Nacht sich auf ihren Blättern schlafen legt. Wohlgenährt klopft die Mutterliebe mit dem Löffel an den noch geschlossenen Babymund.

falling free during the daylight; i missed the skytrain last night, ruft der Steinkauz in die Welt.

Die Zeitfalte menschlicher Fehlbarkeiten versteckt sich in den Flusen der übersehenen Sockenrückstände. Das kecke Klingelmännchen lutscht an der gefrorenen Wassermelone. Eigentlich lieber ohne Kerne; toxische Widerstände verklären den Dackelblick.

Was ist das Gegenstück zum Nebel, grübelt es hinter den verfetteten Brillengläsern.

Rohe Eier gestapelt auf den tristen Schatten der Kreidefelsen, die einst in der Farbpalette von Casper David Friedrich wohnten. Grelle gelbe Tupfen brechen aus der gebrochenen Schale; ungebremster Tanz, um das Wollen vom Rest der Welt zu trennen. Sie bleibt still; das schlaflose Ringen um das Erwachen im Morgen hinter den abgestürzten Dünen. Der Schaum der See spricht Bände, auf deren Buchdeckeln sich die Buchstaben vom Lebenserhalt gegenseitig um den eigenen Raum bedrängen.

Kill the pain: Vielleicht wächst dann was?, schallt es aus der fernen Wüste verdrängter Alpträume.